Trendwende in Genf
- gruenweiss.sg
- vor 4 Stunden
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Die drei Punkte tun richtig gut! Überspielt, matt und müde. So beschreiben wir und auch die Spieler selber ihren Auftritt unter der Woche gegen GC. Gegen einen harmlosen Gegner gelingt nun ein solides Spiel, indem jeder einzelne Spieler eine kleine Steigerung auf den Platz bringt.

Gründe für den Sieg: St.Gallen startet gut. Schnell wird klar: hier wollen die Grünweissen ein anderes Gesicht zeigen. In Zweikämpfen will man wieder zu hundert Prozent bei der Sache sein. Bei Stanic ist das deutlich zu sehen. Es wird zudem schnell ersichtlich, dass die St.Galler bestrebt sind, ihr Spiel wieder konsequenter zu spielen. Die Bälle sollen in grosser Kadenz auf die gegnerische Verteidigungskette gespielt werden. Hierzu braucht es Spieler, die die freien Räume attackieren. Witzig, Baldé und abwechselnd Mittelfeldspieler erfüllen diese Aufgabe gut. In Ballnähe braucht es zudem Spieler, die sich um den zweiten Ball kümmern. Und dann ist da dieser Aliou Baldé. Wie er den Führungstreffer erzielt, offenbart seine Klasse. Erst gewinnt er einen Zweikampf, tanzt anschliessend Roullier aus und trifft haargenau ins petit filet.
Natürlich hilft es, wenn man kurz nach der Pause auf 2:0 erhöhen kann. Einmal mehr hilft eine Einwechslung. Nicht unerwähnt sein darf die Qualität des Gegners. Servette scheint einige Probleme zu haben. Das Team wirkt nicht verbunden und die Offensive zeigt sich in dieser Partie nahezu inexistent.
Der dunkle Moment: Er war seit Sommer in einer Topform, erzielte wichtige Tore, war der Leithammel schlechthin. Gegen Thun und GC wirkte auch er etwas überspielt und in diesem Spiel in Genf war von ihm spielerisch nicht viel zu sehen. Was man aber von ihm immer kriegt, ist eine tadellose hingebungsvolle Leistung. Und so war er auch in Genf in zahlreiche Kämpfe verwickelt. Bei einem zieht er sich wohl eine schwerwiegendere Verletzung zu. Ein Genfer fällt ihm auf den Oberkörper. Eine Schulterverletzung mit längerem Ausfall dürfte die Folge sein. «Nicht gut. Überhaupt nicht gut», beschreibt Maassen nach dem Spiel Görtlers Situation.

Und jetzt: Eine Woche Pause. Endlich. Die dürfte den Espen guttun. Nach dieser intensiven Startphase mit Europacup, englischen Wochen, Verletzungssorgen und zuletzt vier Niederlagen in Folge kommt die Unterbrechung möglicherweise richtig. Danach geht es am Samstag weiter: Heimspiel gegen Sion. Dann wird sich zeigen, wie nachhaltig die Trendwende in Genf sein wird.

Servette – St.Gallen 0:2 (0:1)
Tore: 6. Baldé 0:1, 50. Scherrer 0:2.
S: Gertmonas; Mendes (70. Njoḥ), Rouiller, Burch, Mazikou; Naressi, Cognat (45. Douline), Lambourde (70. Maceiras), Stevanović, Ouattara (46. Fofana); Mutandwa (79. Mráz).
SG: Zigi; Kleine-Bekel, Stanić, Okoroji; Daschner; Vandermersch (77. Neziri), Görtler (63. Ruiz), Boukhalfa (57. Frokaj), Stevanović; Witzig (46. Scherrer), Baldé (77. Besio).
Stade de Genève: 7’807 Fans
Ref: Urs Schnyder

Einzelkritik
Zigi: Kurz vor der Pause ist da diese Unsicherheit beim Fausten. Ansonsten wird er schlicht nicht gebraucht. Servette ist offensiv nicht existent.
Kleine-Bekel: Steigert sich mit Fortdauer der Partie. Führt Zweikämpfe auf kluge Art und Weise, ist aufmerksam, löscht immer wieder gefährliche Szenen. Gute Partie.
Stanic: Zuletzt fehlten seinem Spiel, seiner Zweikampfführung die letzten Prozente. Heute sind sie da. Gute Partie!
Okoroji: Setzt beim Führungstreffer gut nach, gewinnt den Zweikampf. Spielt beim zweiten Treffer den langen Ball auf Scherrer. Feiert sein 100. SL-Spiel.
Daschner: Kann sein «überspielt sein» gut kaschieren. Verrichtet auf der Sechserposition solide Arbeit. Konzentriert sich auf die kleinen Dinge. Gewinnt wichtige Zweikämpfe und kurbelt das eigene Spiel an.
Vandermersch: Gefühlt der meistgefoulte Spieler auf dem Platz. Ackert, rennt und arbeitet.
Görtler: Arbeitet viel, ist in den Zweikämpfen. Bei einem Gerangel um den Ball fällt ein Genfer Spieler auf seinen Oberkörper. Mit Schmerzen im Schulterbereich muss er den Platz verlassen.
Boukhalfa: Gut, ist er zurück! Physis, Kopfbälle, Zweikämpfe, Ballhehauptung, Ausstrahlung, Abschlussstärke. Von all dem werden wir in den nächsten Spielen wieder mehr kriegen.
Stevanovic: Hat zu Beginn noch den einen oder anderen Bock drin – ein Ballverlust in der eigenen heissen Szene bleibt besonders in Erinnerung – findet sich aber grundsätzlich in einem soliden Spiel wieder.
Witzig: Müsste nach Vorlage Baldé das 2:0 schiessen. Ihm könnte die bevorstehende spielfreie Woche besonders guttun. Wird zur Pause ausgewechselt.
Baldé: Was für eine Leistung! Beim Treffer zum 1:0 gewinnt er erst einen Zweikampf, setzt sich eins gegen eins gegen Rouiller durch, schlenzt den Ball ins petit filet. Bereitet eine weitere Topchance für Witzig vor und ist auch im weiteren Verlauf des Spiels omnipräsent.
Scherrer: Kommt zur zweiten Halbzeit und schlägt umgehend ein: wie er den langen Ball von Okoroji gegen Burch behauptet und ihn ruhig versenkt, ist Klasse.
Frokaj: Hatte zuletzt – im Vergleich zum funkigen Start - eher schwächere Auftritte. Heute solide und gar mit einer Torchance kurz vor Schluss.
Ruiz: Rückt nach dem Ausscheiden von Görtler für Stevanovic auf die Schiene. Solid.
Besio: Hat seine auffälligste Szene kurz vor Schluss, als er sich freidribbelt. Leider gerät sein Abschluss zu harmlos.
Neziri: Ein besonderer Tag für ihn: ab der 77’ erster Auftritt seit seinem Kreuzbandriss vor gut einem Jahr. Herzliche Gratulation dazu!

Stimmen zum Spiel


Bilder zum Spiel
Bild: Cyriac Schnyder
Ton: Ralph Weibel Text: James Wehrli

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