Stevanovic macht den Embolo
- gruenweiss.sg
- vor 6 Stunden
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Der FC St.Gallen verliert das Rückspiel gegen den FC Nordsjælland mit 2:3 und verpasst damit die Ligaphase der Conference League. Es ist eine Niederlage in einem Alles oder Nichts Spiel, was unter Enrico Maassen selten geworden ist — und eine, die besonders bitter ist, weil die Espen lange richtig gut im Spiel sind. Nach einer beeindruckenden ersten halben Stunde steht es 2:2, das Berit Sitterstadion glaubt, die Dänen wackeln. Dann schwächt Mihailo Stevanovic seine Mannschaft mit zwei unnötigen Gelben Karten. Besonders die zweite ist brutal bitter: Schwalbe, Gelb-Rot, Unterzahl. Am Ende reicht es nicht.

Der Aufreger: Mihailo Stevanovic. Nicht, weil er allein schuld ist an diesem Ausscheiden. Fussball ist nicht so simpel. Aber seine beiden Gelben Karten verändern dieses Spiel massiv. Die erste holt er sich nach einem klaren taktischen Foul, nachdem er überspielt wird. Die zweite ist noch schwieriger zu verdauen: Stevanovic geht vor dem Strafraum zu Boden, will den Freistoss, bekommt aber stattdessen Gelb wegen Schwalbe. Weil er schon verwarnt ist, ist die Konsequenz klar: Rot. Kann sein, dass Schiedsrichter Grinfeld, auf die zweite Verwarnung verzichtet hätte, wenn er den Überblick gehabt hätte – wenn ihm bewusst gewesen wäre, dass Stevanovic schon Gelb hatte. So aber gibts weder Fingerspitzengefühl, noch Gnade vor Recht.
Und das in einem Moment, in dem St.Gallen richtig gut im Spiel ist. Denn diese erste Halbzeit ist stark. Sehr stark sogar. Nordsjælland geht zwar früh durch Lähteenmäki in Führung, doch St.Gallen reagiert. Görtler trifft per Penalty zum 1:1. Amoako bringt die Dänen wieder nach vorne. Dann kommt Baldé. Was für ein Tor. Was für ein Moment. 2:2. Das Stadion ist da, die Mannschaft ist da, das Spiel ist da.
St.Gallen spielt mutig, intensiv, direkt. Die Espen bringen Nordsjælland in Schwierigkeiten, gewinnen Duelle, setzen nach, finden Räume. Es ist genau jener Europacup-FCSG, den es an diesem Abend braucht. Der Gegner ist talentiert, schnell, technisch gut — aber er ist nicht unantastbar. Im Gegenteil: Bei elf gegen elf wirkt vieles möglich. Dann kommt diese rote Karte.
Und aus einem Spiel, das St.Gallen durchaus in seine Richtung ziehen kann, wird eine Prüfung in Unterzahl. Und die bestehen die Espen nicht.

Der Makel: Enrico Maassen hatte vor diesem Duell gesagt, es brauche zwei Sahnetage. Diese gibt es nicht. In Dänemark liegt es an der Chancenverwertung. Der FCSG spielt ein gutes Hinspiel, kommt zu Möglichkeiten, trifft aber nicht. Das 0:1 ist eine Hypothek, die nicht unlösbar ist, aber sie zwingt St.Gallen im Rückspiel in eine klare Rolle: gewinnen müssen. Heute liegt es nicht an fehlender Qualität im Spiel. Im Gegenteil. Die erste Halbzeit zeigt, dass St.Gallen Nordsjælland sehr wohl wehtun kann. Heute liegt es an dieser roten Karte. An einem unnötigen Moment. An einer Entscheidung, die man dem Schiedsrichter schwerlich vorwerfen kann.
Trotzdem hält St.Gallen lange dagegen. Auch nach der Pause gibt es Möglichkeiten. Baldé bleibt gefährlich, Witzig arbeitet, Görtler treibt an, Daschner sucht Lösungen. Nordsjælland wirkt lange nicht souverän. Die Dänen haben einen Mann mehr, aber sie haben dieses Spiel nicht einfach im Griff. Das macht es fast noch bitterer. Denn St.Gallen ist nicht weit weg. St.Gallen ist nicht chancenlos. St.Gallen scheitert nicht an einem Gegner, der komplett ausser Reichweite liegt. St.Gallen scheitert an einem Abend, an dem viel stimmt — aber eben nicht alles. Und in solchen Playoff-Spielen reicht das nicht.

Der Schiedsrichter: Orel Grinfeld macht sich im Berit Sitterstadion sehr unbeliebt. Das ist verständlich. Seine Linie wirkt phasenweise wechselhaft. Mal lässt er viel laufen, mal greift er ein. Mal gibt es Fouls, bei denen man denkt: wirklich? Und kurz darauf läuft eine ähnliche Szene weiter. Dazu kommt dieses dänische Fallenlassen, dieses Lamentieren, dieses ständige Reiben am Nervenkostüm. Dazu verwechselt er Spieler, kennt sie nicht und strahlt damit wenig Souveränität aus.
Aber ehrlicherweise muss man auch sagen: Die wichtigen Entscheide sind fast ausnahmslos korrekt. Das Handspiel vor dem Penalty für St.Gallen ist eines. Und auch bei Stevanović liegen die Dinge leider ziemlich klar. Die erste Gelbe muss man geben. Die zweite eigentlich auch, wenn der Schiedsrichter die Szene als Schwalbe beurteilt. Und genau so sieht sie auf allen Fernsehbildern aus.

Skurril: Das ist die Szene mit dem VAR-Bildschirm. Grinfeld geht raus, will sich die Szene anschauen, die zum Penalty führt. Er rückt den Monitor zurecht und drückt ihn dabei so unglücklich nach unten, dass plötzlich nichts mehr geht. Dann steht da ein Techniker, das Stadion wartet, die Stimmung kocht, und während alle über Handspiel, VAR, Winkel und Bildschirm diskutieren, wird zuerst einmal ein technisches Problem gelöst. In aller Gründlichkeit. In aller Langsamkeit.
Europacup-Playoff im Berit Sitterstadion.
Drama auf dem Platz.
Drama am Monitor.

Wie weiter? Jetzt ist Europa vorbei. Das tut weh. Natürlich. Nach Benfica, Sheriff und diesen beiden Spielen gegen Nordsjælland war der europäische Herbst greifbar. Nicht sicher, nicht selbstverständlich, aber greifbar. Und gerade deshalb schmerzt dieses Ausscheiden. Aber es ist kein Zusammenbruch.
St.Gallen hat sich in diesem europäischen Sommer gut verkauft. Gegen Benfica gelang ein grosser Heimsieg. Gegen Sheriff wurde die Favoritenrolle souverän angenommen. Gegen Nordsjælland war der FCSG über weite Strecken auf Augenhöhe. Vielleicht sogar mehr als das. Besonders heute, solange beide Teams gleich viele Spieler auf dem Platz hatten. Nun fällt die Dreifachbelastung weg. Das kann man schade finden, und das ist es auch. Aber es schafft auch Klarheit. Der Fokus liegt jetzt auf der Super League und auf dem Cup.
Am Sonntag wartet Thun. Im Cup geht es dann auswärts gegen Rapperswil-Jona weiter. St.Gallen ist Titelverteidiger, St.Gallen ist in der Meisterschaft gut gestartet, St.Gallen hat ein Team, das in den letzten Wochen gezeigt hat, dass es viel kann. Jetzt geht es darum, diesen europäischen Schmerz mitzunehmen, aber nicht mitzuschleppen. Kurz schütteln. Dann weiter. Volle Kraft Meisterschaft. Volle Kraft Cup. Und vielleicht ist genau das die nächste Reifeprüfung dieser Mannschaft.

St.Gallen – Nordsjælland 2:3
Hinspiel: 0:1
Gesamt: 2:4
Tore: 14. Lähteenmäki 0:1, 21. Görtler 1:1 Penalty, 24. Amoako 1:2, 28. Baldé 2:2, 82. Rasmussen 2:3.
SG: Zigi; Ruiz (83. Kleine-Bekel), Stanić, Okoroji; Vandermersch (83. Owusu), Görtler, Daschner, Stevanović, Witzig (87. Scherrer); Baldé (83. Besio), Hunziker (43. Frokaj).
N: Hansen; Ankersen, Salquist, Acquah; Lähteenmäki, Janssen, Røjkjær (66. Brink Christensen), Norheim (94. Walker); Sadio (79. Berthelsen), Amoako (66. Rasmussen), Adel (46. Lind Rasmussen).
Berit Sitterstadion: 13'210 Fans
REF: Orel Grinfeld (ISR)
Bilder zum Spiel
Bild: Cyriac Schnyder
Text: Marc Baumeler

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