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Pflicht erfüllt. Dänemark im Blick.

  • gruenweiss.sg
  • vor 3 Stunden
  • 4 Min. Lesezeit

Der FC St.Gallen steht im Sechzehntelfinal des Schweizer Cups. Beim FC Thalwil gewinnt der Titelverteidiger mit 3:0 — verdient, seriös und am Ende auch souverän genug. Betim Fazliji bringt die Espen in der ersten Halbzeit auf Kurs, Leon Frokaj macht nach der Pause mit zwei Treffern alles klar. Es ist ein Nachmittag, den man in diesen Wochen genauso braucht: Aufgabe erledigt, Kräfte verteilt, zu null gespielt, weitergekommen. Und jetzt richtet sich der Blick nach Dänemark.



Die Aufreger: Der grösste Aufreger ist vielleicht, dass der FC St.Gallen keinen grossen Aufreger zulässt. Natürlich ist dieses Spiel zwischendurch etwas zäh. Natürlich dauert es, bis der Favorit wirklich Luft zwischen sich und den Erstligisten bringt. Natürlich braucht es beim 1:0 durch Fazliji eine abgefälschte Flugbahn und beim 2:0 durch Frokaj ebenfalls etwas Mithilfe.


Aber Cup vor den Playoffs zur Conference League ist nicht Casting für Schönheitspreise. Cup ist weiterkommen. Und genau das macht der FCSG.


Thalwil bekommt seinen grossen Nachmittag. Der Sportplatz Brand ist bereit, die Umgebung speziell, die Gastfreundschaft gross, die St.Galler Fans reisen zahlreich an. Für den Heimklub ist es ein Festtag. Für den FCSG ist es Arbeit. Und diese Arbeit erledigt Grünweiss letztlich so, wie man sie erledigen muss: ohne Panik, ohne Verlängerung, ohne Gegentor.


Fazliji bringt St.Gallen nach gut einer halben Stunde in Führung. Frokaj kommt in der zweiten Halbzeit rein, trifft zum 2:0 und später nochmals zum 3:0. Damit steht am Schluss auch ein deutliches Resultat auf der Anzeigetafel. Zum ersten Mal in dieser Saison auch mit einer 0 auf der richtigen Seite.


Das klingt kleiner, als es ist.


Denn genau solche Spiele können unangenehm werden. Sie können kippen, wenn man sie zu lange offen lässt. Sie können Kraft kosten, wenn man zu spät entscheidet. Sie können nerven, wenn der Favorit plötzlich selber beginnt, an der eigenen Rolle zu zweifeln.


Das passiert nicht.


St.Gallen glänzt nicht. Aber St.Gallen bleibt ruhig. St.Gallen bleibt überlegen. St.Gallen findet die Tore. Und St.Gallen zieht in die nächste Runde ein.


Pflicht erfüllt.

Der Makel: Glänzend ist dieser Auftritt nicht. Der FC St.Gallen startet überlegen, aber nicht zwingend genug. Zu oft fehlt der letzte Druck, zu oft ist eine Aktion nicht sauber ausgespielt, zu oft bleibt Thalwil im Spiel. Der Erstligist macht das gut: mutig, fair, zweikampffest, mit Ball nicht panisch.


Und dann gibt es diese Phase kurz nach der Pause. Thalwil kommt zu Möglichkeiten, Watkowiak muss eingreifen, die Partie kann in diesem Moment unangenehm werden. Genau solche Szenen sind es, die Cupspiele gefährlich machen. Ein Tor, ein bisschen Glaube, ein bisschen Nervosität beim Favoriten — und plötzlich wird aus einer Pflichtaufgabe ein Problem.

So weit kommt es nicht.


Aber es ist nah genug, um daran zu erinnern: Auch gegen einen unterklassigen Gegner gibt es keine Freifahrt. Der FCSG bringt das Spiel am Ende sicher nach Hause, aber er muss dafür konzentriert bleiben. Genau das gelingt. Nicht spektakulär, nicht berauschend, aber seriös.



So gehts weiter: Jetzt kommen die Duelle mit Nordsjælland. Und das ist eine ganz andere Nummer.

Nicht wegen des ganz grossen Namens. Nicht wegen europäischer Wucht im klassischen Sinn. Sondern wegen des Profils. FC Nordsjælland ist jung, schnell, technisch stark und in seiner Idee sehr klar. Ein Klub, der über Ausbildung, Tempo, Entwicklung und mutigen Fussball kommt.


Und auch Nordsjælland kommt mit Rückenwind. Die Dänen gewinnen heute gegen Silkeborg mit 1:0. Damit stehen sie nach drei Meisterschaftsspielen bei zwei Siegen und einem Unentschieden. Also genau gleich wie der FC St.Gallen in der Super League. Beide Teams starten gut in die neue Saison. Beide Teams kommen mit Resultaten. Beide Teams dürfen glauben, dass sie bereit sind für diesen Playoff.


Das macht die Aufgabe natürlich nicht kleiner.


Das Hinspiel findet auswärts in Dänemark statt, das Rückspiel eine Woche später im Berit Sitterstadion. Es geht um die Ligaphase der Conference League. Um einen europäischen Herbst. Um Spiele, die diesen Sommer endgültig vergolden könnten. Und genau deshalb ist dieser Nachmittag in Thalwil wertvoll. Nicht, weil er begeistert. Sondern weil er Kräfte verteilt. Spieler bekommen Minuten. Andere können geschont werden. Frokaj holt sich Selbstvertrauen. Fazliji spielt durch. Konietzke, Stevanović, Owusu, Hunziker, Besio — sie alle bleiben im Rhythmus. Das ist in diesen Wochen fast genauso wichtig wie das Resultat.


Denn der FCSG lebt gerade von seiner Breite. Gegen den FCZ macht die Bank den Unterschied. In Vaduz macht die Bank den Unterschied. Gegen Sheriff liefern Spieler, die nicht immer im Scheinwerferlicht stehen. Und auch in Thalwil ist es wieder ein Einwechselspieler, der das Resultat endgültig geradebiegt.


Gegen Nordsjælland wird das allein nicht reichen. Da braucht es mehr Schärfe, mehr Tempo, mehr defensive Aufmerksamkeit und mehr Präzision im letzten Drittel. Da braucht es den Europacup-FCSG. Den mutigen. Den erwachsenen. Den solidarischen. Den, der weiss, wann er leiden muss und wann er zubeissen kann.


Thalwil ist erledigt. Nicht berauschend. Aber souverän genug. Jetzt beginnt der nächste Teil dieser Reise. Nordsjælland wartet. Und ganz ehrlich: Es kribbelt schon sehr.


Ach ja, und auch im Cup geht es weiter. Am Wochenende vom 16.-18. Oktober 2026 und zwar auswärts gegen den FC Rapperswil-Jona aus der Challenge League – schon wieder.



Thalwil – St.Gallen 0:3 (0:1)

Tore: 31. Fazliji 0:1, 60. Frokaj 0:2, 94. Frokaj 0:3.


SG: Watkowiak; Ruiz, Stanić, Kleine-Bekel (60. Okoroji); Stevanović; Owusu (67. Vandermersch), Fazliji, Konietzke (60. Frokaj), Witzig (84. Rans); Hunziker (67. Baldé), Besio.


Im Brand: 2’650 Zuschauerinnen und Zuschauer

Ref: Zrinko Prskalo



Stimmen zum Spiel



Bild: Archiv Ton: Ralph Weibel

Text: Marc Baumeler

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