Pfiffe zum Schluss
- gruenweiss.sg
- vor 5 Tagen
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Lange Zeit scheint der FCSG die Partie im Griff zu haben. Gegner Lugano lullt sich durch den Abend, bis er plötzlich nur noch zu zehnt ist – und Mut findet. Und St. Gallen hat nichts mehr entgegenzusetzen. Es verschenkt beim 1:1 zwei Punkte.

Das Spiel: Frühe Führung durch Witzig, alles scheint planmässig abzulaufen. St. Gallen mit breiter Brust lässt lange Zeit nichts zu, ist aber erst zu liederlich, mit Fortdauer der Partie zu passiv in den Offensivaktionen. Es ist nicht zu spüren, dass man das zweite Tor anstrebt. Die Passivität schleicht sich nach und nach bis in die hinteren Reihen ein. Nach dem Platzverweis gegen Dos Santos folgt nicht etwa die Erlösung. Der eingewechselte Pihlström hat umgehend gute Aktionen, trifft die Latte, spendet seinem Team mit seinen Aktionen Zuversicht. Die St.Galler scheint das alles nicht zu beeindrucken. Oder anders gesagt: sie verstehen die Warnung nicht. Steffen trifft in der Nachspielzeit mit einem Freistoss aus grosser Distanz zum Ausgleich.
Die Treffer: Der auffälligste St.Galler ist Christian Witzig. Bei Führungstreffer offenbart er seine Klasse. Handlungsschnell spielt er den Ball aus der Luft zu Besio, der ihn abtropfen lässt, dabei Verteidiger Delcroix wegschiebt und den Schussweg freimacht. Witzig drischt den Ball direkt via Boden in die Maschen.

In der Nachspielzeit agiert St.Gallen wie öfter in der Schlussphase zu hektisch. Nach Ballgewinn Fehlpass Daschner, Okoroji foult Steffen. Freistoss. Steffen zirkelt den Ball aus grosser Distanz Richtung entfernten Pfosten. Via Boden fliegt der Ball über Zigi in die hohe Ecke.
Das Publikum: Zum Schluss sind im Kybunpark tatsächlich (nicht wenige) Pfiffe zu hören. Natürlich ärgert es einen, wenn sein Team in der Nachspielzeit mit einem Mann mehr noch den Ausgleich hinnehmen muss. Auch wirkt Lugano lange Zeit wie ein saturierter Bengel, der ziellos durch das Spiel irrt. Gleichwohl wollen wir nicht vergessen, wer wir sind und welch Spielerklasse auf der anderen Seite steht. Vielleicht liegt es an diesem ungewohnt frühen Dienstagabendtermin, dass die Stimmung auf den Rängen nicht die beste ist. Etwas mehr Bodenhaftung dürfte es jedoch schon wieder sein, liebes St.Galler Publikum! Der zweite Platz und die Cup - Halbfinalqualifikation sollte nicht zu falschen, überhöhten Erwartungen führen.

St. Gallen - Lugano 1:1 (1:0)
Kybunpark: 15'841 Fans
Tore: 15' Witzig 1:0, 92' Steffen 1:1.
SG: Zigi; Gaal, Stanic, Okoroji; Daschner; Vandermersch, Görtler (77' Mih. Stevanovic), Boukhalfa, Witzig; Besio (90' Efekele), Balde (77' Ouattara).
LUG: Von Ballmoos; Papadopoulos (82' Bottani), Mai, Delcroix; Cimignani (68' Mahou), Bislimi, Grgic (90' Kelvin), Zanotti; Steffen, Koutsias (68' Pihiström), Dos Santos/64'.
Ref: Anojen Kanagasingam

Einzelkritik
Zigi: In der ersten Halbzeit nur mit einer Handvoll Abstössen und Rückpässen belästigt. Das Gegentor darf er so nicht erhalten.
Gaal: Sticht einmal mehr heraus mit guten Balleroberungen in der gegnerischen Hälfte. Sie erzeugen schnell Gefahr.
Stanic: Ein Mann, ein Biss! Gewinnt jeden Zweikampf.
Okoroji: Unnachgiebig in den Zweikämpfen, schaltet sich immer wieder in die Offensive ein. Und da sei ihm verziehen, dass auch mal eine Flanke hinter das Tor fliegt. Gute Chance zum 2:0.
Vandermersch: Liefert sich mit Zanotti ein intensives Duell auf der Aussenbahn. Steht dem bissigen Italiener in nichts nach.
Görtler: Ein Spiel der Arbeit. Oft gegen den Ball, Löcher zulaufen. Ohne den spielerischen Glanzpunkt.
Daschner: Omnipräsent. Hält sich stets dort auf, wo es brennt. Ob es da eine Grätsche am eigenen Strafraum braucht oder den Kurzpass – er legt sein Gefühl fürs Spiel 90 Minuten in die Waagschale. Leider hektisch vor dem fatalen Freistoss.
Boukhalfa: Auch er mit einem Abend voller Arbeit. Weniger dynamisch und einflussreich als gewohnt.

Witzig: Was ein Tor zur Führung! Auch sonst sehr aktiv. Holt auch die zweite gelbe Karte und somit den Ausschluss gegen Dos Santos raus. Auffälligster St.Galler.
Baldé: Hat kaum Szenen. Besonders nach der Führung findet er wenig Bindung zum Spiel. Er ackert allerdings gut gegen den Ball und erledigt somit sein Soll in diesem Arbeitsspiel.
Besio: Bringt seinen Körper immer wieder schlau und gewinnbringend ein. Beim Führungstor von Witzig legt er ab. Hat aber insgesamt wenig Ballaktionen, ist bei den Tessiner Abwehrleuten gut aufgehoben.
Ouattara: Ersetzt nach 77 Minuten Baldé.
Stevanovic: Ersetzt nach 77 Minuten Görtler.
Malamine: Ersetzt nach 90 Minuten Besio.

Stimmen zum Spiel
Bild: Joel Kälin
Ton: Patrick Forrer
Text: James Wehrli
Redaktion: Marc Baumeler

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