Okoroji lässt die Espen jubeln
- gruenweiss.sg
- vor 14 Stunden
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Last-Minute-Wahnsinn im Wankdorf. Ein spätes Freistosstor entscheidet die Partie – St.Gallen schlägt YB mit 2:1.

Aufreger: Nachspielzeit im Wankdorf. 1:1. Alles riecht nach Punkteteilung. Görtler hat die Espen per Elfmeter in Führung gebracht, Colley nach einem Blackout von Stevanovic und Vandermersch ausgeglichen. Zigi hält, was zu halten ist – und noch viel mehr. Dann kommt dieser letzte Moment. Okoroji läuft an, würgt den Ball durch die Mauer, Keller wirkt irritiert, greift daneben – und plötzlich liegt er drin. Kein Traumtor. Kein Kunstwerk. Aber genau das Tor, das solche Spiele schreibt. Der Rest ist grünweisse, überschäumende Freude. Schon wieder.
Makel: Der Ausgleich? Ein Geschenk. Ein langer Ball, eigentlich harmlos, wird zur Einladung. Vandermersch und Stevanovic schauen sich an, gehen beide – und sind sich im Weg. Colley sagt danke, steht alleine vor Zigi und erledigt den Rest. So einfach kann es gehen. So ärgerlich auch.
Einschätzung: Natürlich braucht es Glück für diese drei Punkte. Natürlich lässt St.Gallen zu viel zu. Natürlich hätte YB dieses Spiel gewinnen können. Und ja, über den Penalty wird man in Bern reden. Aber wer nur auf das Glück schaut, verpasst das Entscheidende: Diese St.Galler Mannschaft hat Struktur. Sie bleibt stabil, auch mit sechs Eigengewächsen. Sie glaubt – bis zur letzten Sekunde. Und sie spielt nach vorne, selbst nach einem Nackenschlag. Genau deshalb fällt dieses Tor am Schluss nicht zufällig. Zweiter Sieg im Wankdorf in dieser Saison. Warum also nicht noch ein dritter?

Schiedsrichter: Urs Schnyder mit einer souveränen Partie. Der Elfmeterpfiff? Vertretbar – und aus unserer Sicht korrekt, weil Wüthrich mit der Hand verhindert, dass der Ball aufs Tor kommt.
Und YB? Individuelle Qualität ohne Ende. Auf dem Platz, auf der Bank – eigentlich überall. Und trotzdem bleibt nach 34 Runden erstaunlich wenig hängen. Zu oft ungenau, zu oft ideenlos, zu oft nicht als Einheit unterwegs. Zur Pause sagt ein YB-Fan, er überlege sich, seine Saisonkarte zu verlängern. Klingt möglicherweise überspitzt – ist aber nachvollziehbar.

YB - FCSG 1:2 (0:0)
Wankdorf: 26'182 Fans
Tore: 64' Görtler (P) 0:1, 81' Colley 1:1, 92' Okoroji 1:2.
YB: Keller; Valery, Wüthrich, Lauper, Bukinac (71' Hadjam); Virginius (65' Colley), Fernandes, Gigovic (77' Pech), Monteiro (77' Males); Sanches; Bedia (71' Essende).
SG: Zigi; Kleine-Bekel, Stanic, Okoroji; Daschner; Vandermersch, Görtler (75' Fazliji), Konietzke (46' Mih. Stevanovic), Weibel (82' Ruiz); Vogt (75' Besio), Balde (89' Scherrer).
Ref: Urs Schnyder

Einzelkritik
Zigi: Unüberwindbar, mit zahlreichen Topsaves. Die letzte Abwehr gegen Essende war die erstaunlichste.
Kleine-Bekel: Nachdem er gegen Yverdon kurzfristig zum Chefdirigenten aufgestiegen war, begibt er sich nun wieder in die Vizeposition. Was er mitnimmt, ist sein Selbstverständnis und das Vertrauen.
Stanic: Ganz viele sehr wichtige Interventionen. In dieser Form der beste Innenverteidiger der Liga.
Okoroji: Freistossgott. Läuft mehrfach den schnellen Virginius ab – eine weitere seiner absoluten Kernkompetenzen.
Daschner: Trifft mit einem Eckball das Lattenkreuz (10’). Ansonsten mit vielen kleinen konstruktiven Dingen, die ein guter Sechser im Verlaufe eines Spiels so einfliessen lassen kann.
Vandermersch: Guter Fernschuss. Fleissig, wie immer. Beim 1:1 verdaddelt er zusammen mit Stevanovic den Ball.
Görtler: Es sieht so aus, als hätte er den Schlüssel definitiv gefunden: verwandelt den Penalty so sicher, wie er nach dem Spiel sein Trikot auszieht und in die Waschzeine legt. Insgesamt ein Topauftritt.

Konietzke: Ihm gelingt es zu wenig, sich in Szene zu setzen. Er verliert auch den einen oder anderen Zweikampf zu viel. Dennoch scheint es wichtig, dass er Spielpraxis erhält, um wieder an die ersten Elf heranzukommen. «Er war nicht gut im Spiel», beantwortet Enno Maassen die Frage nach der frühen Auswechslung.
Weibel: Ein YB-Körper steht ihm im Weg, als er nach schöner Flanke von Vogt per Kopf die entfernte Torecke anvisiert. Gefällt immer wieder in der Arbeit gegen den Ball und deutet auch offensiv sein Potenzial an.
Vogt: Verpasst dem Treffer knapp bei einer Kopfballchance nach einer Ecke (36’). Schöne Vorarbeit auf Weibel bei den dessen Kopfballchance. Kurz nach der Pause bricht ihm ein Stück Zahn weg.
Baldé: Wirbelt links und rechts. Geht in zahlreiche Eins-gegen-eins Duelle, da macht er zwar insgesamt zu wenig draus, gleichwohl weiss der Gegner halt nie. Er ist ständig auf Draht und so ein sehr wichtiger Bestandteil dieser erfolgreichen Mannschaft.
Stevanovic: Ersetzt nach der Pause Konieztke. Beim 1:1 verdaddelt er zusammen mit Stevanovic
den Ball.
Fazliji: Ersetzt Görtler.

Besio: Ersetzt Vogt.
Ruiz: Ersetzt Weibel.
Scherrer: Ersetzt Baldé. Holt den Freistoss heraus, den Okoroji zum Siegestreffer verwandelt.
Stimmen zum Spiel


Bilder zum Spiel
Bild: Cyriac Schnyder
Ton: Ralph Weibel
Text: Marc Baumeler
Einzelkritik: James Wehrli















































































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