top of page
  • gruenweiss.sg

Nichts für schwache Nerven

In letzter Minute schiesst Christian Witzig die schweren Steine vom Herzen. St.Gallen schlägt Lausanne Ouchy knapp aber verdient mit 1:0.


Aufreger: Es läuft die 93. Minute als Lucas Pos im Strafraum Willem Geubbels regelwidrig zu Fall bringt und über 16'000 im kybunpark vor Freude aufschreien lässt. Der Schiedsrichter entscheidet sofort auf Strafstross. Die Freude über die grosse Chance auf den Führungstreffer so kurz vor Schluss weicht aber ziemlich schnell einem mulmigen Gefühl. Wer soll dieser Aufgabe gewachsen sein? Fünf Spiele in Folge keinen Sieg eingefahren. Das Tabellenschlusslicht mehr als 90 Minuten bearbeitet, phasenweise an die Wand gespielt und dennoch führt man nicht. Zig glasklare Chancen liegen gelassen. Immer wieder an Vachoux, dem Teufelskerl im Ouchy-Tor gescheitert. Es müssen drei Punkte her. Nach den letzten Wochen sowieso. Das Programm der kommenden Wochen ist zudem richtig schwierig. Wenn du heute nicht gewinnst, wann dann? Und jetzt gibts die Chance aus elf Metern. Gegen diesen Vachoux, der bis dahin alles gehalten hat. Als ob das nicht schon Druck genug wäre, versucht der Lausanner Goalie alles, um den St.Galler Schützen noch nervöser zu machen: er sucht das Gespräch mit ihm, diskutiert mit dem Referee, verzögert die Ausführung, nimmt nochmals einen Schluck aus der Flasche, bevor er endlich auf die Linie schleicht. Schiedsrichter von Mandach gibt den Ball frei, eine Zehntels-Sekunde später läuft Christian Witzig entschlossen an und verwandelt mit einem satten, platzierten Schuss ins Glück. Richtig. Vachoux hat die Ecke geahnt, bleibt aber trotzdem machtlos – zum einzigen Mal an diesem Abend. Zu gut ist Witzigs Penalty! Der kybunpark explodiert und man hört über 16'000 Steine von Herzen fallen. Yeah! Das isch Sangalle. Das isch grüewiss!


Makel: In der ersten Halbzeit gelingt es kaum, Chancen zu erspielen. Lausanne Ouchy steht äusserst solide mit einer Fünfer-Abwehr- und einer Vierer-Mittelfeld-Kette vor dem Tor. Die machen alles dicht. Nicht nur das. Die Waadtländer haben die beiden gefährlichsten Szenen. Zigi rettet grandios mit dem Fuss und einmal hilft die Latte. Zur Pause gibt es vereinzelte Pfiffe im Stadion. In der zweiten Halbzeit ist dann nur noch die mangelnde Kaltblütigkeit vor dem gegnerischen Tor zu kritisieren. Gleich reihenweise vergeben die Espen beste Gelegenheiten. Ansonsten ist es ein überzeugender Auftritt.


Schiedsrichter: Johannes von Mandach lässt mehr Gnade als Recht walten, als er Christian Witzig nach gut einer Stunde nicht mit Rot oder mit der zweiten Gelben vom Platz stellt. Er entscheidet lediglich auf Foul, nachdem Witzig Bayard mit offener Sohle trifft. Abgesehen von dieser strittigen Szene geben von Mandachs Entscheidungen keinen Anlass zu Diskussionen. Er liegt immer richtig.


abseits: Auch nach fünf Spielen ohne Sieg, auch gegen das Tabellenschlusslicht, das lediglich drei Fans mit in den Gästesektor bringt, ist der kybunpark bestens gefüllt. Das St.Galler Publikum ist grandios. Auch heute Abend.


abwesend: Mit Quintillà, Görtler, Schmidt, Fazliji, Milosevic und Zanotti fehlt mehr als eine halbe Stammelf verletzt oder gesperrt. Karlen, Mambimbi und van der Venne komplettieren die Verletztenliste. Umso höher ist der Wert und die Bedeutung dieser gewonnenen drei Punkte einzuschätzen.


FCSG – FC SLO 1:0 (0:0)

kybunpark – 16'192 Zuschauer – SR Johannes von Mandach (VAR Stefan Horisberger).


Tor: 90.+5 Witzig (Foulelfmeter) 1:0.


St.Gallen: Zigi (Cap.); Stanic, Vallci, Diaby, Okoroji; Sutter (62. Geubbels), Stevanovic, Witzig; Toma (85. Ruiz Abril); Duus Möller (46. von Moos), Akolo.


Lausanne-Ouchy: Vachoux; Diakité (81. Abdallah), Pos, Hajrulahu (Cap.), Ouedraogo, Mahmoud (90.+3 Camara); Ajdini, Bayard, Akichi, Gharbi; Kyeremateng (63. Mulaj).


Verwarnungen: 10. Witzig (Foul), 11. Duus Möller (Foul), 61. Ouedraogo (Foul), 72. Vachoux (Zeitspiel), 76. Ajdini (Foul), 90.+1 Mahmoud (Zeitspiel).


Bemerkungen: St.Gallen mit Watkowiak, Janitzek, Schubert, Geubbels, von Moos, Ruiz Abril, Krasniqi, Konietzke (Ersatzbank) und ohne Zanotti (gesperrt), Quintillà, Kareln, Görtler, Mambimbi, Fazliji, van der Venne, Schmidt, Milosevic (alle verletzt), Dumrath, Nuhu (beide nicht im Aufgebot). Lausanne-Ouchy ohne Qarri (gesperrt), Da Silva, Abi, Damascan, Eberhard, Obexer, Tsoungui (alle verletzt/krank), Gassama, Zesiger (beide nicht im Aufgebot). – 36. Lattenschuss von Akichi. – 68. Tor von Akolo wegen Abseits aberkannt.





Einzelkritik

Zigi: Ist in der ersten Halbzeit der beste St.Galler. Bewahrt sein Team mit einer grossartigen Fussparade vor einem Rückstand. In Halbzeit zwei hat er dann nichts mehr zu tun. Zu drückend ist die Überlegenheit der Espen.


Stanic: Ihm gelingt eine gute Partie auf der rechten Abwehrseite. Er ersetzt Zanotti und hat defensiv alles unter Kontrolle. Auch sein Einschalten in die Offensive lohnt sich zuweilen. Besonders mit Julian von Moos zusammen gelingt der eine oder andere gefährlich Vorstoss.


Vallci: Abgeklärt und souverän. Vor allem nach der Pause gelingt es ihm, das Spiel von hinten immer wieder klug anzukurbeln.


Diaby: Wie gut, dass er wieder fit ist. Er gewinnt jeden Zweikampf und lässt keinen Lausanner Offensiv-Spieler zur Entfaltung kommen. Starke Leistung!


Okoroji: Der nächste grundsolide Auftritt des 26-jährigen Deutschen. Steht defensiv sicher und beackert zusammen mit Witzig die linke Seite fleissig und geduldig mit Tempo und Energie. Es gelingen nicht alle Standards. Aber einige darunter sind stark in den Strafraum gezogen.


Stevanovic: Auch er zeigt ein starkes Spiel. Gräbt viele Bälle aus, hält das Mittelfeld zusammen und gewinnt viele Zweikämpfe. Ist auf der Höhe seiner Aufgabe.


Sutter: Tut sich schwer. Fightet, gibt alles, rackert viel. Da und dort gibts aber Missverständnisse im Zusammenspiel mit anderen und nur wenige Pässe kommen wunschgemäss an. Macht in der 62. Minute Platz für Geubbels.


Witzig: Der Beste.


Toma: Immer unterwegs, immer aktiv, viel am Ball, einige kluge Pässe. Gutes Spiel.


Möller: Nein, er hat seinen Platz in St.Gallen noch nicht gefunden. Kann sich kaum einbringen und wirkt nicht integriert ins Spiel der Espen. Nach der Pause kommt Julian von Moos für ihn.


Akolo: Erzielt ein Tor, das wegen abseits von Passgeber Geubbels aberkannt wird und vergibt alleinstehend vor Torhüter Vachoux – da ist er aber nicht der einzige. Alles in allem trotzdem ordentlich.


von Moos: Zeigt eine starke zweite Halbzeit. Mit ihm wird das Spiel der St.Galler schneller und unberechenbarer. Auch dank seiner vielen starken Defensiv-Läufen und Balleroberungen am eigenen Strafraum kommt Lausanne Ouchy nach der Pause zu keiner einzigen Torchance.



Geubbels: Mit seiner Einwechslung in der 62. Minute bekommen die Espen die zweite Luft. Schon bei seiner ersten Ballberührung entsteht Torgefahr. Ein richtig starker Teileinsatz, bei dem er den so wichtigen Penalty herausholt. Chapeau!


Ruiz: Gibt in der 85. Minute sein Comeback im grünweissen Dress. «bienvenido de nuevo!»




Stimmen zum Spiel






Bilder zum Spiel

Bilder: Franz Schefer, Manuel Nagel

Text, Ton: Marc Baumeler, James Wehrli

Commentaires


bottom of page