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Fehlende Effizienz. Starke Nerven zum Schluss.

  • gruenweiss.sg
  • vor 1 Tag
  • 4 Min. Lesezeit

Der FC St.Gallen und der FC Luzern trennen sich im Berit Sitterstadion 2:2. Nach dem Luzerner Führungstreffer sieht es danach aus, als würden die Espen nach intensiven Wochen erstmals ohne Punkte bleiben. Doch tief in der Nachspielzeit behält Lukas Görtler vom Penaltypunkt die Nerven und rettet dem FCSG einen Zähler. Es ist aufgrund mangelnder Chancenauswertung kein glänzender Auftritt, kein grosser St.Galler Nachmittag. Aber es ist ein Spiel, das zeigt: Diese Mannschaft ist kaum zu schlagen. Sie bleibt dran. Auch dann, wenn Kopf und Beine längst schwer sind.



Aufreger: Die Schlusssekunden! Lukas Görtler bekommt tief in der Nachspielzeit die Möglichkeit, den Saisonstart der Espen beinahe perfekt zu halten. Der Captain legt sich den Ball zurecht, nachdem er von allen Luzernern und zum Schluss auch von Goalie Pascal Simoni angegangen wird. Die Absicht ist klar. Der St.Galler Captain soll irritiert und verunsichert werden. Dann läuft Görtler an und schiebt den Ball ganz trocken in die Mitte. 2:2. Letzte Sekunde. Punkt gerettet.


Das ist bemerkenswert, weil diese Szene alles enthält, was Görtler ausmacht. Nervenstärke. Verantwortung. Widerstand. Und diesen speziellen Trotz, der sagt: Wenn schon nicht alles läuft, dann holen wir wenigstens das aus diesem Spiel raus, was uns noch möglich ist. Der Ausgleich verhindert die erste Niederlage dieser Super-League-Saison. Er verhindert, dass aus einem mühsamen Nachmittag ein richtig bitterer wird. Und er sorgt dafür, dass der FCSG trotz allem ungeschlagen bleibt. Das ist an diesem Tag nicht wenig. Makel: Der FC St.Gallen tut sich mit zunehmender Spieldauer immer schwerer mit den Luzernern.

In der ersten Halbzeit kommen die Espen zu etlichen guten Möglichkeiten und gehen durch Lukas Daschner kurz vor der Pause in Führung. Aber sie nutzen ihre Chancen zu wenig konsequent. Und genau das rächt sich. Luzern kommt nach der Pause sofort zurück, bleibt im Spiel, wird mutiger und kommt seinerseits zu guten Möglichkeiten. Dabei betreibt auch Luzern Chancenwucher. Auch die Gäste hätten mehrmals in Führung gehen können, bevor Matteo Di Giusto kurz vor Schluss tatsächlich das 1:2 erzielt. Zigi hält davor zweimal mirakulös und sorgt überhaupt erst dafür, dass St.Gallen bis zum Schluss im Spiel bleibt. Trotzdem muss man sagen: Der FCSG hatte genügend Chancen, diese Partie selbst zu entscheiden. Hat er heute aber nicht. Und so kommt es, wie es in solchen Spielen oft kommt. Erst wird es unangenehm. Dann hektisch. Dann fast bitter. Die mentale und physische Müdigkeit ist irgendwann nicht mehr ganz zu überspielen. Die vielen Spiele der letzten zweieinhalb Wochen hinterlassen Spuren. Trotzdem verliert St.Gallen nicht. Chapeau!


Schiedsrichter: Alessandro Dudic verteilt viele gelbe Karten und hat nicht immer eine klare Linie. Seine Spielführung wirkt phasenweise wirr. Er kommuniziert viel, sucht immer wieder das Gespräch, ist aber nicht immer Herr der Lage. Gerade in der Schlussphase wird das Spiel dadurch nicht ruhiger, sondern eher hektischer. Es entsteht mehr Unordnung als Kontrolle. Spielentscheidend ist Dudic nicht. Aber restlos überzeugend ist sein Auftritt auch nicht. Skurril: Der ewige Di Giusto. Es ist kaum zu fassen. Matteo Di Giusto trifft gefühlt in jedem Spiel gegen den FC St.Gallen. Auch diesmal ist er wieder mittendrin. Erst mit einem Assist, dann mit dem Treffer zum 1:2 kurz vor Schluss. Wieder Di Giusto. Wieder Luzern. Wieder dieses Gefühl, dass dieser Spieler gegen Grünweiss offenbar einfach nicht verschwinden will. Damit sorgt er auch dafür, dass Enrico Maassen weiterhin nicht gegen den FC Luzern gewinnt. Und dass St.Gallen die Sieglosserie gegen die Innerschweizer ausbaut.



St.Gallen – Luzern 2:2 (1:0) Berit Sitterstadion: 19’416 Fans


Tore: 45.+3 Daschner 1:0, 46. Mikolajewski 1:1, 89. Di Giusto 1:2, 90.+11 Görtler 2:2 Penalty.


SG: Zigi; Ruiz, Stanić (80. Kleine-Bekel), Okoroji; Vandermersch (55. Owusu), Görtler, Daschner (55. Hunziker), Frokaj (69. Fazliji), Stevanović; Witzig (80. Konietzke), Baldé.


LU: Simoni; Dorn, B. H. Freimann, Knežević (83. Löfgren), Ru. Dantas (46. Mikolajewski); Bertone, Silva (79. Zimmermann); Kabwit (79. Oehlers), Di Giusto, Cigaņiks; Meyer (64. Toggenburger).


Ref: Alessandro Dudic

VAR: Sven Wolfensberger



Einzelkritik


Zigi: Herzlich willkommen zurück. Hält den FCSG gegen Schluss mit zwei Riesenparaden im Spiel. Ohne diese Paraden gibt es keinen Punkt. Bei den Gegentoren machtlos, insgesamt sofort wieder wichtig.


Ruiz: Ein ordentlicher Auftritt. Beim ersten Gegentor verliert er zusammen mit Okoroji den Torschützen aus den Augen. Nicht fehlerfrei, aber stabiler als zuletzt in Vaduz.


Stanić: Ist zurück, fightet, gibt alles und hat mit Sascha Meyer einen ziemlich ekligen Gegenspieler. Alles in allem ein guter Auftritt. Wird in der 80. Minute durch Kleine-Bekel ersetzt.


Okoroji: Gewinnt viele Laufduelle. Seine Schnelligkeit braucht es nach hinten, auch heute ist er wieder eine Bank – bis auf das Gegentor kurz nach der Pause.


Vandermersch: Bis zu seiner Auswechslung in der 55. Minute solide. Kurz bevor er den Platz humpelnd verlässt, wird er hart angegangen und erhält nicht mal einen Freistoss. Nicht der grosse Auftritt nach vorne, aber mit viel Arbeit auf seiner Seite.


Görtler: Der Aufreger!


Daschner: Licht und Schatten. Erzielt das 1:0 und zeigt mehrmals seine Klasse am Ball. Gleichzeitig merkt man ihm an, dass er in den letzten zweieinhalb Wochen gefühlt nur gespielt hat.


Frokaj: Gute Aktionen nach vorne und nach hinten, allerdings auch mit dem einen oder anderen Fehler oder Ballverlust. Insgesamt eine ausgeglichene Leistung.


Stevanović: Beginnt links, dort gefällt er. Wechselt später ins Zentrum, dort gefällt er auch. Trägt sehr viel zur defensiven Stabilität bei und bleibt einer der ruhigen, souveränen St.Galler an einem teils hektischen Nachmittag.


Witzig: Insgesamt ein sehr solider, bemerkenswerter Auftritt. Nicht mit den ganz grossen Aktionen, aber immer wieder sorgt er für Gefahr, ist quirlig und arbeitet viel. Sowohl im Sturm als auch auf links wertvoll.


Baldé: Was der über 90 Minuten wirbelt. Immer anspielbar, immer quirlig, immer sorgt er für Kopfzerbrechen in der Luzerner Innenverteidigung. Im Abschluss heute allerdings ziemlich glücklos.


Owusu, Hunziker, Fazliji, Kleine-Bekel, Konietzke: Fügen sich ordentlich ein, können diesmal aber nicht den Unterschied ausmachen. Anders als gegen den FCZ oder Vaduz bleibt der grosse Impuls von der Bank aus. Heute sind es eher die Spieler, die von Anfang an auf dem Platz standen, die in Erinnerung bleiben.





Bild: Archiv Text: Marc Baumeler



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