Eine zweite Halbzeit zum Vergessen
- gruenweiss.sg
- 3. Mai
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Der FC St.Gallen verliert zuhause gegen den FC Sion mit 0:3 – und liefert dabei ein Spiel mit zwei unterschiedlichen Gesichtern. Vor der Pause dominant, aber ineffizient, danach kaum mehr existent. Und so endet eine beeindruckende Serie.

Starke erste Hälfte ohne Lohn: St.Gallen spielt in der ersten Halbzeit Richtung Espenblock. Und wie. Die Espen drücken, kombinieren, kommen früh zu Chancen. Vogt gleich mehrfach in aussichtsreicher Position, Görtler omnipräsent zwischen den Linien. Über links wird Druck gemacht, das Spiel ist schnell, direkt, mutig. Sion kommt kaum raus. Und wenn doch, wird es einmal brenzlig – inklusive aberkanntem Treffer nach VAR-Intervention. Auf der anderen Seite: Aluminium. Zweimal (Kleine-Bekel und Vogt). St.Gallen ist näher am 1:0. Viel näher. Und geht trotzdem mit einem Rückstand in die Pause – Kololli trifft kurz vor dem Seitenwechsel nach einem schnellen Umschaltmoment. Ein Gegentor, das weh tut. Aber eines, das dieses Spiel noch lange nicht entscheiden müsste.
Einbruch nach der Pause: Was danach folgt, ist schwer zu greifen und schwer zu erklären. Der FCSG kommt aus der Kabine und verliert komplett den Zugriff. Kaum mehr Struktur, zu wenig Bewegung, zu wenig Durchschlagskraft. Das Spiel wirkt plötzlich schwer, langsam, ideenlos. Sion übernimmt nicht einmal aktiv – St.Gallen gibt das Spiel einfach ab.
Das 0:2 fällt nach einem groben Fehler von Boukhalfa. Das 0:3 nach einem Eckball, bei dem die Zuordnung fehlt. Dazwischen: keine echte Reaktion. Das ist zu wenig, um das Meisterträumli am Leben zu erhalten. Viel zu wenig. Gratulation nach Thun.

Zwei Gesichter – und eines davon reicht nicht: Die erste Halbzeit zeigt, wozu diese Mannschaft fähig ist. Mutig, aktiv, spielbestimmend. Eine Leistung, die nach mehr als einem Tor schreit.
Die zweite Halbzeit zeigt das Gegenteil. Kein Zugriff, keine Energie, keine Lösungen. Und genau deshalb kippt dieses Spiel so deutlich. Nicht, weil Sion über 90 Minuten besser ist – sondern weil St.Gallen nach der Pause nicht mehr stattfindet.
Und dann ist da noch diese Serie: 16 Spiele ungeschlagen – 14 in der Meisterschaft, zwei im Cup. Jetzt ist sie zu Ende. Gibt vielleicht die Möglichkeit, sich wieder auf das Wesentliche zu konzentrieren.
Schiedsrichter: Nico Gianforte mit einer strengen Linie, verteilt früh und oft Gelb. Insgesamt viele Verwarnungen, die dem Spiel unnötigen Zündstoff geben – ohne es aber entscheidend zu beeinflussen.

FCSG - Sion 0:3 (0:1)
Kybunpark: 18'536 (ausverkauft)
Tore: 43' Kololli, 63' Chouaref, 76' Berdayes.
SG: Zigi; Kleine-Bekel, Stanic, Okoroji; Daschner; Vandermersch (78' Scherrer), Görtler, Bukhalfa (78' Fazliji), Weibel (61' Ouattara); Vogt (61' Besio), Balde (78' Ruiz).
S: Racioppi; Lavanchy, Hajrizi, Kronig, Hefti; Kabacalman (87' Rudhani), Baltazar; Kololli (79' Chipperfield), Lukembila (87' Boteli), Chouaref (68' Berdayes); Nivokazi (68' Surdez).
REF: Nico Gianforte

Einzelkritik
Zigi: Kann einem fast leidtun. Hält, was möglich ist, bei den Gegentoren ohne echte Chance.
Kleine-Bekel: In der ersten Halbzeit stabil, nach der Pause mit mehr Problemen.
Stanic: Lange einer der wenigen mit Konstanz. Verteidigt viel weg, kann den Einbruch aber auch nicht stoppen.
Okoroji: Aktiv nach vorne, defensiv nicht immer konsequent genug – besonders beim ersten Gegentor und in der zweiten Hälfte.
Daschner: Ordnet das Spiel in der ersten Halbzeit gut, verliert den entscheidenden Zweikampf vor dem 0:1. Danach taucht er ab wie das ganze Team.
Vandermersch: Läuft viel, arbeitet viel – aber mit Ball zu ungenau.
Görtler: Antreiber, überall unterwegs. Bleibt aber ohne entscheidenden Moment.
Boukhalfa: Findet keinen Zugriff aufs Spiel. Schläft komplett vor dem zweiten Gegentreffer. Trotzdem natürlich Gratulation zum heutigen Geburtstag.
Weibel: Engagiert gegen den Ball, offensiv mit wenigen klaren Aktionen.
Vogt: Hat die Chancen zur Führung. Nutzt sie nicht – leider. Trainer Maassen hat es irgendwie kommen sehen. Vor dem Spiel sagte er: «Heute wird die Effizienz entscheidend sein.»
Baldé: Sucht die Duelle, bringt Tempo rein. Zu wenig Ertrag.
Einwechselspieler: Können dem Spiel keine neue Richtung geben. Der Bruch ist da schon passiert.
Stimmen zum Spiel


Bilder zum Spiel
Bild: Patrik Magalhaes Ton: Ralph Weibel
Text: Marc Baumeler

















































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