Ein deutliches Zeichen im Joggeli
Der FC St.Gallen gewinnt auswärts beim FC Basel mit 3:1. Nach sechs Niederlagen aus sieben Pflichtspielen, nach vielen Fragen, nach vielen Gegentoren und nach einer sehr schwierigen Phase setzen die Espen genau vor der langen Länderspielpause ein Ausrufezeichen. Aliou Baldé bringt Grünweiss früh in Führung, Christian Witzig trifft traumhaft zum 2:1, Carlo Boukhalfa macht kurz vor Schluss alles klar. Das ist nicht nur ein Sieg. Das ist ein Befreiungsschlag.

Die Aufreger: Der erste Aufreger kommt früh. Aliou Baldé trifft nach neun Minuten zum 0:1. Und allein dieser Moment tut gut. Weil St.Gallen nicht wieder zuerst einem Rückstand hinterherrennen muss. Weil die Mannschaft spürt: Heute geht etwas. Heute ist nicht wieder alles gegen uns. Heute müssen wir nicht erst durch den Nebel, bevor überhaupt Fussball möglich wird. Basel gleicht kurz vor der Pause per Penalty durch Celar aus. Ein Moment, über den noch zu reden sein wird. Aber entscheidend ist: St.Gallen kippt nicht. Die Espen bleiben drin. Sie bleiben stabil. Sie bleiben verbunden. Und sie verteidigen über weite Strecken richtig stark. Basel hat Namen, Qualität, Wucht, Shaqiri, Celar, Otele, Olaigbe. Aber St.Gallen hält dagegen. Mit Arbeit. Mit Organisation. Mit Beinen, die plötzlich wieder leichter wirken.
Und dann kommt Christian Witzig! 65. Minute. Boukhalfa spielt ihn an. Witzig nimmt Mass, schiebt, streichelt, legt diesen Ball mit feiner Technik ins Tor. Kein Gewaltakt, kein Glückstreffer, sondern ein wunderschönes Tor. Eines dieser Tore, die sofort anders aussehen als vieles, was in den letzten Wochen passiert ist. Mehr Klarheit. Mehr Überzeugung. Mehr Fussball. Das 2:1 ist der Moment dieses Spiels.

Das 3:1 durch Boukhalfa in der 85. Minute ist dann die Erlösung. Ausgerechnet Boukhalfa, der nach seiner Verletzung wieder zurückkommt, der unter der Woche auch noch krank war, macht den Deckel drauf. Und plötzlich fühlt sich diese lange Länderspielpause nicht mehr nur wie dringend benötigte Erholung an, sondern auch wie ein Moment zum Durchatmen.
Die Defensivarbeit: Heute gibt es keinen Makel-Abschnitt. Nicht nach diesem Spiel. Nicht nach diesen Wochen. Nicht nach einem 3:1 in Basel. Stattdessen: ein Lob für die Defensivarbeit. Der FC St.Gallen hat in den letzten Spielen viel zu viele Gegentore kassiert. Zu einfache Gegentore. Zu billige Gegentore. Heute sieht das anders aus. Basel kommt nicht beliebig durch. Basel bekommt nicht dauernd freie Räume. Basel muss arbeiten. Und wenn Basel arbeitet, arbeitet St.Gallen mit. Die Abstände stimmen besser. Die Zweikämpfe werden sauberer geführt. Die zweiten Bälle sind nicht mehr automatisch beim Gegner. Die Mannschaft wirkt wieder mehr wie eine Mannschaft.
Gerade nach den letzten Wochen ist diese Stabilität genauso wichtig wie die drei Tore. Weil sie zeigt: Es ist noch da. Das Grundgerüst. Die Haltung. Die Bereitschaft, gemeinsam zu verteidigen. Die Fähigkeit, ein schwieriges Auswärtsspiel anzunehmen und nicht einfach darauf zu hoffen, dass vorne irgendwann etwas passiert. Heute ist der FCSG wieder unangenehm. So muss er sein.

Der Schiedsrichter: Sven Wolfensberger. Puh!?! Man kann über vieles diskutieren. Aber dieser Penalty für Basel ist schwer nachvollziehbar. Vor der Szene, die Wolfensberger als Foul von Stanić an Michelin bewertet, gibt es eine praktisch identische Aktion: Michelin gegen Witzig. Da läuft das Spiel weiter. Sekunden darauf dieselbe Art Kontakt, nur umgekehrt — und plötzlich zeigt Wolfensberger auf den Punkt. Das passt nicht zusammen. Der VAR greift nicht ein. Auch das ist schwer verständlich. Wenn man in Lugano gesehen hat, was alles laufen gelassen wurde, wenn man sieht, wie unterschiedlich solche Zweikämpfe bewertet werden, dann fragt man sich schon, welche Linie da eigentlich gelten soll. Mal ist Körperkontakt Fussball. Mal ist es Elfmeter. Je nachdem, wann, wo und wer fällt. Das ist frustrierend. Aber heute darf uns das nicht den Abend nehmen. Der FC St.Gallen beantwortet diesen Penalty nicht mit Hadern, sondern mit Fussball. Mit Stabilität. Mit Witzigs 2:1. Mit Boukhalfas 3:1. Danke Espen!

Wie weiter: Jetzt kommt die lange Pause. Drei Wochen ohne Pflichtspiel. Und ganz ehrlich: Diese Pause kommt perfekt. Der FCSG kann sie nutzen. Zum Regenerieren. Zum Sortieren. Zum Nachschärfen. Zum Gesundwerden. Zum Diskutieren. Zum Durchatmen. Aber eben nicht mehr mit dem Gefühl, komplett im freien Fall zu sein. Sondern mit einem Sieg in Basel im Rücken. Mit einem Ausrufezeichen. Mit einem Beweis, dass diese Mannschaft noch lebt. Und genau darüber sprechen wir am Donnerstag, 24. September, ab 19 Uhr bei der «Füferchetti» – dem Espen-Talk im Revier. Wir stellen eine illustre Runde zusammen, sprechen über den Zustand des FC St.Gallen, machen eine ausführliche Einzelspielerkritik und freuen uns auf zwei ehemalige St.Galler Spieler. Mehr verraten wir noch nicht. Aber ihr dürft gespannt sein.
Nach der Pause geht es weiter. Aber heute darf man diesen Sieg einfach mal stehen lassen.
3:1 in Basel. Befreiungsschlag. Zämä.

Basel – St.Gallen 1:3 (1:1)
Tore: 9. Baldé 0:1, 43. Celar 1:1 Penalty, 65. Witzig 1:2, 85. Boukhalfa 1:3.
B: Salvi; Tsunemoto (81. Koloto), Daniliuc, Victory, Michelin (64. Cissé); Metinho, Harder (46. Malachowski); Olaigbe, Shaqiri, Otele (71. Malouda); Celar.
SG: Zigi; Kleine-Bekel, Stanić (46. Ruiz), Okoroji; Stevanović, Witzig, Daschner, Fazliji (62. Boukhalfa), Vandermersch (86. Gaal); Hunziker (78. Besio), Baldé (61. Scherrer).
St.Jakob-Park: 27’872 Fans
Ref: Sven Wolfensberger
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Bilder zum Spiel
Bild: Cyriac Schnyder Ton: James Wehrli Text: Marc Baumeler

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