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Ein Abend zum Geniessen

  • gruenweiss.sg
  • vor 2 Stunden
  • 3 Min. Lesezeit

Der FC St.Gallen schlägt Sheriff Tiraspol im Rückspiel der dritten Qualifikationsrunde zur Conference League mit 5:1 und zieht souverän in die Play-offs ein. Nach dem 3:1 auswärts folgt im Berit Sitterstadion ein Europacup-Abend, der fast alles bietet, was man sich wünschen kann: frühe Tore, Spielfreude, Doppeltorschützen, Solidarität, Sommerabend und über 12’000 Menschen, die diesen FCSG einfach geniessen dürfen. Die Espen nehmen die Favoritenrolle an — und erfüllen sie mit Nachdruck.


Freude: Es ist ein Abend, an dem aus St.Galler Sicht sehr, sehr viel zusammenpasst. Der FCSG muss diese Favoritenrolle gegen Sheriff Tiraspol annehmen. Nach dem 3:1 im Hinspiel ist die Ausgangslage komfortabel, aber eben auch klar: Wer europäisch weiterkommen will, darf so ein Rückspiel nicht kompliziert werden lassen. St.Gallen lässt es nicht kompliziert werden. Gleich in der ersten Minute beginnt dieser Abend perfekt. Diego Besio trifft zum 1:0. Der frühe Ausgleich durch Forov bringt kurz etwas Unruhe, aber nicht lange. Dann übernimmt Grünweiss wieder. Und wie.


Besio und Andrin Hunziker stehen in dieser Saison erstmals gemeinsam in der Startelf — und beide nutzen diesen Abend grossartig. Hunziker trifft doppelt, Besio ebenfalls. Zwei Stürmer, vier Tore, viel Wucht, viel Energie, viel Freude. Genau so stellt man sich einen Europacup-Abend vor, an dem ein Favorit nicht nur weiterkommt, sondern seinen Weg überzeugend geht. Auch Mihailo Stevanović setzt mit dem 5:1 den schönen Schlusspunkt. Er zeigt eine insgesamt gute Leistung und krönt seinen Auftritt mit einem Treffer. Das passt zu diesem Abend. Jeder gönnt jedem alles. Diese Mannschaft wirkt verbunden, solidarisch, lebendig. Und wenn so etwas auf dem Platz sichtbar wird, entstehen genau solche Spiele.


Über 12’000 Zuschauerinnen und Zuschauer erleben einen warmen, schönen Sommerabend, an dem der FC St.Gallen einfach Freude macht. Das ist nicht nur ein Sieg. Das ist ein Abend zum Zurücklehnen, Lächeln und Geniessen.


Grossartig.


Chapeau.

Makel: Ja, es gibt in der ersten Halbzeit eine Phase, in der Sheriff Tiraspol etwas zu einfach Richtung Zigi kommt. St.Gallen verpasst es in diesen Momenten ein paar Mal, den Ball aggressiv zurückzuholen. Die Abstände stimmen nicht immer, einzelne Ballverluste öffnen Räume, und plötzlich ist Sheriff doch da. Der Ausgleich fällt früh, später braucht es Zigi das ein oder andere mal und auch etwas defensive Aufmerksamkeit, damit aus dieser kurzen Phase nicht mehr wird.

Aber ehrlich: Wenn das der Makel eines 5:1-Heimsiegs in einem europäischen Rückspiel ist, kann man damit sehr gut leben.


Denn erstens kassiert St.Gallen nur ein Gegentor. Zweitens bleibt die Mannschaft ruhig. Drittens ist die Sache spätestens nach dem 2:1 wieder auf Kurs. Und nach dem 3:1 ist klar: Dieser Abend kippt nicht mehr. Der FCSG spielt das danach souverän, überzeugend und erwachsen runter. Und er tut mit diesem Sieg auch etwas für den Schweizer Fussball. Europacup-Siege bringen Punkte für den Koeffizienten, und genau solche Abende helfen nicht nur Grünweiss, sondern auch der Liga.


Schiedsrichter: Julian Weinberger aus Österreich leitet die Partie tadellos. Das fällt auf — gerade im Vergleich zu mancher Super-League-Partie der letzten Wochen. Weinberger wirkt klar, ruhig und souverän. Er entscheidet mit guter Linie, ohne sich aufzuspielen. Er lässt das Spiel laufen, ohne die Kontrolle zu verlieren. Und er kommuniziert dort, wo es nötig ist, ohne aus jeder Szene ein kleines Seminar zu machen. Das ist angenehm. Sehr sogar. Keine Hektik, keine wirre Linie, keine unnötige Selbstdarstellung. Einfach eine starke Schiedsrichterleistung. Chapeau.


So gehts weiter: Am Sonntag im Schweizer Cup. Der FC St.Gallen reist in der ersten Hauptrunde zum FC Thalwil. Der Gegner spielt in der 1. Liga Classic, der FCSG kommt als amtierender Cupsieger. Die Rollen sind also auch in dieser Partie klar verteilt. Solche Spiele verlangen Seriosität.

Es braucht dieselbe Haltung wie international. Dieselbe Konzentration. Dieselbe Leidenschaft. Nicht dieselbe Startelf, wohl eher nicht. Aber denselben Respekt vor der Aufgabe.


Denn Cupspiele auswärts bei unterklassigen Gegnern können kompliziert werden. Enger Platz, grosse Motivation beim Gegner, viel Emotion, wenig Rhythmus, alles ein bisschen eklig. Genau darum muss St.Gallen von Beginn weg zeigen, dass es diese Aufgabe annimmt. Dieser Mannschaft trauen wir das zu – auf jeden Fall. Auch die Dreifachbelastung. Nicht, weil alles einfach ist. Sondern weil dieses Kader in den letzten Wochen zeigt, dass es Lösungen findet. Von Beginn weg. Von der Bank. Über Standards. Über Tempo. Über Wucht. Über Solidarität. Und wenn der FCSG mit dieser Ernsthaftigkeit nach Thalwil reist, dann wird auch diese Aufgabe gelöst werden.



St.Gallen – Sheriff Tiraspol 5:1

Hinspiel: 3:1


Tore: 1. Besio 1:0, 9. Forov 1:1, 35. Hunziker 2:1, 59. Hunziker 3:1, 76. Besio 4:1, 87. Stevanović 5:1.


SG: Zigi; Kleine-Bekel (46. Ruiz), Stanić, Okoroji; Vandermersch, Görtler, Daschner (46. Stevanović), Frokaj (74. Konietzke), Owusu (60. Witzig); Besio, Hunziker (66. Baldé).


ST: Timbur; Quedraogo, Fomba, Assane Ciss (62. Magassouba), Rai; Klas, Morais (73. Nihaev), Pergjoni (73. Kone), Forov (58. Fratea), Pineda (58. Loukou); Asprilla.


Berit Sitterstadion: 12'293 Fans


Schiedsrichter: Julian Weinberger (AUT)






Bild: Cyriay Schnyder Ton: James Wehrli

Text: Marc Baumeler

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