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Durchgedrückt

gruenweiss.sg
vor 2 Stunden
4 Min. Lesezeit

Der FC St.Gallen gewinnt den Olma-Match gegen Lausanne-Sport mit 1:0. Es ist kein rauschender Fussballnachmittag, aber ein wichtiger und verdienter Heimsieg. Beide Mannschaften verteidigen konsequent, beide lassen wenig zu. Den Unterschied macht Lukas Görtler bei seiner Rückkehr per Penalty. Offensiv fehlt den Espen noch zu oft die Präzision und Konsequenz, defensiv hingegen steht der FCSG stabil wie seit Wochen nicht mehr. Nach dem 3:1 in Basel folgt der zweite Sieg in Serie – und erstmals in dieser Saison bleibt hinten die Null stehen.

Die Aufreger: Der erste Aufreger ist die Rückkehr von Lukas Görtler. Fünf Wochen fehlte der Captain wegen seiner Schulterverletzung. Knapp nur schrammte er an einer Operation vorbei. Görtler kommt glücklicherweise schliesslich ohne davon und steht heute wieder in der Startelf. Nach 29 Minuten übernimmt er dann sofort wieder jene Verantwortung, die man mit ihm verbindet. Hunziker spielt Daschner direkt in den Strafraum, Ngonzo kommt einen Moment zu spät und lässt das Bein stehen. Penalty. Görtler nimmt den Ball und trifft zum 1:0. Mastil ist noch dran. Egal.


Der Captain ist zurück. Und das Tor entscheidet das Spiel.


Der zweite Aufreger ist Mostafa Heydari. 19 Jahre alt, erst wenige Partien auf Promotion-League-Niveau – und plötzlich Super League von Beginn weg. Das macht er erstaunlich abgeklärt. Er verteidigt aufmerksam, sucht mit Ball vernünftige Lösungen und wirkt keineswegs so, als wäre diese Bühne zu gross für ihn. Nach gut einer Stunde bekommt er den Ball ins Gesicht und muss benommen raus. Bis dahin: starkes Debüt.

Und dann ist da Tom Gaal. Ebenfalls zurück in der Startelf. Seine Präsenz tut der Defensive sichtbar gut. Er gewinnt Zweikämpfe, räumt weg und bringt Ruhe in jene Zone, in der der FCSG während seiner schwierigen Phase immer wieder viel zu leicht verwundbar war. Dass am Ende die Null steht, ist kein Zufall.


Makel: Der FCSG verteidigt gut. Lausanne aber eben auch. Deshalb entsteht ein Spiel, in dem Räume eng sind, Zweikämpfe häufig gewonnen werden und beide Mannschaften Mühe haben, ihre Angriffe sauber bis zum Ende auszuspielen. St.Gallen lässt wenig zu, weil es gut arbeitet. Genauso muss sich Grünweiss auf der anderen Seite vieles hart erarbeiten.


Und dort fehlt noch einiges. Zu viele Angriffe verlieren auf den letzten Metern an Präzision. Der letzte Pass kommt nicht sauber. Läufe werden nicht konsequent genug bedient. Gute Ausgangslagen versanden. Es fehlt zuweilen jene Überzeugung, mit der aus Ballbesitz echte Torgefahr entsteht.

Die Möglichkeiten für ein zweites Tor sind trotzdem da. Daschner trifft nach einer Standardsituation, doch Hunzikers vorheriges Foul wird abgepfiffen. Ärgerlich – aber korrekt. Später läuft Scherrer alleine auf Mastil zu und hat die Entscheidung auf dem Fuss. Der Lausanner Goalie hält. So bleibt ein Spiel offen, das St.Gallen hätte beruhigen können. Aber nach der schwierigen Phase während der vergangenen Wochen darf man festhalten: Ein 1:0 ist ein 1:0. Und drei Punkte bleiben drei Punkte.

Schiedsrichter: Hüseyin Sanli macht insgesamt einen ordentlichen Job. Nicht jede kleine Entscheidung muss man gleich sehen, aber bei den beiden zentralen Szenen liegt er richtig. Ngonzo lässt gegen Daschner im Strafraum das Bein stehen – Penalty. Beim vermeintlichen 2:0 erkennt das Schiedsrichterteam das vorherige Foul von Hunziker und nimmt den Treffer zurück.

Unauffällig, nachvollziehbar, okay.

Abseits: Eine schöne Reminiszenz an die Olma: Die Einlaufkids begleiten die Teams in Trachten auf den Platz. Ein kleines Detail, aber eines, das gut zu diesem speziellen Heimspiel passt. Ein bisschen Tradition, ein bisschen Ostschweiz – und auf jeden Fall hübscher anzusehen als manches, was danach auf dem Rasen folgt. Demnächst: Schon am Freitagabend geht es weiter – diesmal im Schweizer Cup. Der Titelverteidiger reist zum FC Rapperswil-Jona. Kantonsderby, Challenge-League-Gegner, Cup-Sechzehntelfinal. Eine jener Aufgaben, die auf dem Papier klar aussehen und genau deshalb mit der nötigen Seriosität angegangen werden müssen. Vor einem Jahr gelang der Sieg erst im Penaltyschiessen. Der FCSG hat nun zweimal hintereinander gewonnen. In Basel offensiver und spektakulärer, gegen Lausanne kontrollierter und defensiv stabil. Beides zählt. Jetzt wartet der Cup. Ein dritter Sieg in Folge ist das Ziel.

FCSG – Lausanne-Sport 1:0 (1:0)


Tor: 29. Görtler 1:0 Penalty.


SG: Zigi; Gaal, Stanić, Heydari (65. Ruiz); Stevanović (46. Boukhalfa), Witzig, Görtler (71. Neziri), Daschner (84. Fazliji), Vandermersch; Hunziker, Baldé (71. Scherrer).


LS: Mastil; Youte, Cozza, Ngonzo (82. Bah Mendes); Soppy (59. Custodio), Blin (59. N'Diaye), Mollet, Poaty; Butler-Oyedeji, Ajdini (59. Janneh), Nene (68. Molebe).


Berit Sitterstadion: 17’631 Zuschauerinnen und Zuschauer

Ref: Hüseyin Sanli


Einzelkritik Zigi: Wenn es ihn braucht, ist er da. Viel Arbeit bekommt er nicht, weil seine Vorderleute gut verteidigen. Nach den schwierigen Wochen tut dieses Zu-Null-Spiel trotzdem gut.


Gaal: Starkes Comeback in der Startelf. Präsent in den Zweikämpfen, klar in seinen Aktionen und mit viel Ruhe. Seine Rückkehr hilft dieser Defensive.


Stanić: Konzentriert und zuverlässig. Verteidigt konsequent und bildet mit Gaal und Heydari eine gut funktionierende Dreierkette.


Heydari: Ein gelungenes Super-League-Debüt. Wirkt erstaunlich abgeklärt, spielt mutig und verteidigt aufmerksam. Muss nach einem Ball ins Gesicht benommen raus. Hoffentlich ohne Folgen.


Stevanović: Ein ordentlicher Auftritt in der ersten Halbzeit. Arbeitet defensiv mit und versucht, das Spiel nach vorne anzukurbeln. Bleibt zur Pause in der Kabine.


Witzig: Viel unterwegs, sucht Räume und versucht immer wieder, Tempo in die Angriffe zu bringen. Nicht jede Aktion gelingt, aber er bleibt aktiv und anspielbar.


Görtler: Fünf Wochen nach seiner Schulterverletzung direkt wieder in der Startelf – und sofort wieder verantwortlich. Verwandelt den entscheidenden Penalty. Nach 71 Minuten ist Schluss.


Daschner: Holt den Penalty heraus, tritt gefährliche Standards und erzielt vermeintlich das 2:0. Das Tor zählt wegen Hunzikers vorherigem Foul nicht.


Vandermersch: Diesmal auf der linken Seite. Arbeitet gewohnt viel, macht Kilometer und erfüllt seine Aufgabe zuverlässig. Nach vorne fehlt auch ihm manchmal die letzte Präzision.


Hunziker: Sein Direktspiel auf Daschner leitet die entscheidende Penaltyszene ein. Arbeitet viel und beschäftigt die Lausanner Defensive. Ärgerlich, dass sein Foul vor dem vermeintlichen 2:0 abgepfiffen wird.


Baldé: Ein Nachmittag, der wohl auch ihm nicht gross in Erinnerung bleiben wird. Versucht immer wieder etwas, setzt sich diesmal aber nur selten entscheidend durch.


Boukhalfa: Kommt zur Pause und bringt zusätzliche Physis und Präsenz ins Zentrum. Ein ordentlicher Teileinsatz.



Ruiz: Fügt sich sehr gut ein und zeigt einen starken Teileinsatz. Ruhig am Ball, konsequent gegen den Ball und sofort im Spiel.


Scherrer: Hat die grosse Möglichkeit zur Entscheidung. Läuft alleine auf Mastil zu, scheitert aber am Goalie. Seine Energie tut dem St.Galler Spiel trotzdem gut.


Neziri: Kommt für Görtler und hilft, das Zentrum in der Schlussphase stabil zu halten.


Fazliji: Kommt für die letzten Minuten und hilft mit, den knappen Vorsprung sauber über die Zeit zu bringen.





Bilder zum Spiel


Bild: Franz Schefer Ton: James Wehrli Text: Marc Baumeler

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