Die Ernüchterung
- gruenweiss.sg
- 25. Jan.
- 3 Min. Lesezeit
Der FCSG 1879 verliert sein erstes Pflichtspiel des Jahres gegen Servette mit 2:4. Trotz gelungenem Start und einer Zwei-Tore-Führung zur Pause stehen die Espen am Schluss ernüchtert und enttäuscht da. Aber immerhin im Diesseits. Wo sich die Schweizer Schiedsrichter zurzeit befinden, bleibt offen.

Aufreger: Die Startviertelstunde! St.Gallen hat alles im Griff. Servette wird überrollt. Görtler und Stanic treffen sehenswert. Kurz vor der Pause vergibt Baldé aus bester Position das 3:0. Was danach folgt ist schwer zu fassen und schwierig einzuordnen.
Makel: Die zweite Halbzeit. Vier Gegentore. Wenig Energie. Keinen klaren Kopf mehr und zu viele Unzulänglichkeiten im Passspiel. «Die Intensität hat gefehlt», erklärt Trainer Maassen nach dem Spiel an der Medienkonferenz. Die Partie beginnt nach dem Seitenwechsel schon denkbar schlecht. Jozo Stanic – in der ersten Hälfte Torschütze zum 2:0 – versucht, einen Konter der Genfer im letzten Moment noch zu klären. Dieser Versuch wird zur perfekten Vorlage für Guillemenot, der zwar danach nicht jubelt, aber Servette mit seinem Tor zurück ins Spiel bringt. Stanic muss später angeschlagen vom Platz (Verdacht auf Gehirnerschütterun). Seine Energie fehlt. Genauso wie jene von Görtler, der acht Minuten später ebenfalls ausgewechselt wird. Keinem St.Galler Spieler gelingt es, an die Leistung der ersten Minuten des Nachmittags anzuknüpfen. Und so geht sie bis zum Ende schlecht weiter – diese Auftaktpartie ins Ostschweizer Fussballjahr 2026.

Schiedsrichter: Mirel Turkes verwarnt in der ersten Hälfte Gaal obwohl Daschner das zu sanktionierende Hands begangen hat. Ein Fehler. Ok. Kann passieren. Dass sich der Schiedsrichter aber zehn Minuten vor Schluss beim Stande von 2:1 vom VAR (Johannes von Mandach) derart beeinflussen lässt und Servette diesen Elfmeter zugesteht, ist unerklärlich, schwer zu fassen und nicht einzuordnen. Es scheint, als ob die Schweizer Refs in einem in Volketswil fabrizierten Raumschiff unter der Leitung von Herrn Wermelinger als Captain Kirk durch ein Paralleluniversum reisen.
Reaktion: So diskutierts der Espenblog in seinem WhatsApp-Chat:

Versuch einer Einordnung: Klar. Das ist ernüchternd. Klar. Wir denken jetzt: «St.Gallen wie es leibt und lebt.» Klar. Auch Enno Maassen war ob des Schiedsrichterentscheids bedient. Klar. Wir lamentieren: «Was eine Gurkenliga!» Erst der Winterthurer Rasen der trotz positiver Temperaturen gefroren bleibt und ein Spiel verhindert, dann dieser VAR-Schiedsrichter-Entscheid, der wohl morgen dann auch noch gerechtfertigt wird. Am besten spricht in der Ostschweiz aktuell niemand mehr von einem Titel oder dem Traum davon. Gespielt ist aber erst ein Spiel.

SG – SFC 2:4 (2:0)
Kybunpark, 15'290 Fans
Tore: 2' Görtler 1:0, 15' Stanic 2:0, 46'/80' (P) Guillemenot 2:1/2:2, 83' Stevanovic 2:3, 92' Douline 2:4.
SG: Zigi; Gaal, Stanic (61' Vallci), Kleine-Bekel; Vandermersch, Görtler (69' Mih. Stevanovic), Daschner, Boukhalfa, Okoroji (85' Ouattara); Witzig (85' Besio); Balde (68' Vogt).
SFC: Mall; Burch, Rouiller, Mazikou; Miguel (39' Mendes), Cognat, Douline, Njoh; Stevanovic, Guillemenot (88' Ondoua); Mraz (68' Ishuayed).
Ref: Turkes; Müller, Jancevski.

Einzelkritik
Zigi: Monsterparade! Entfährt es dem Kommentator auf blue in Halbzeit eins. Recht hat er. Ansonsten spielt der Goalie unauffällig und fehlerfrei.
Gaal: Solide auf dem Platz. Besonnen vor dem Mikrofon.
Stanic: Stark! Das Tor und seine Leidenschaft beeindrucken. Vor dem ersten Gegentreffer zwar unglücklich. Da ist er aber der letzte in der Kette und möglicherweise schon angeschlagen. Gute Besserung.

Kleine-Bekel: Ordentliches Debut. Er kann eine echte Verstärkung werden. Das ist zu sehen. Und nein. Es war kein Foul, das zum Penalty geführt hat.
Daschner: Von ihm bleibt wenig in Erinnerung – ausser, dass seine Standards schon gefährlicher getreten waren als heute.
Vandermersch: Fightet, rackert, gib alles und kriegt auf die Socken. Kann nach dem Spiel kaum mehr gehen. Gute Bessserung.
Görtler: Grossartig, wie er die Espen in der zweiten Minute in Führung bringt. Er bleibt bis zur Pause aktiv und spielbestimmend. Nach der Pause gelingt es auch ihm nicht mehr, die selbe Intensität auf den Rasen zu bringen.
Boukhalfa: Licht und Schatten. Gute Aktionen wechseln sich beispielsweise mit vergebenen klaren Torchancen ab. Auch er hat in den kommenden Partien Luft nach oben.

Okoroji: Er zeigt über weite Strecken eine Partie, die man sich von ihm gewohnt ist. Wenige Fehler, einige gute Rushes nach vorne, aber ohne grosse Aufreger.
Witzig: Wirblig, wach, aktiv, schnell – ohne Tor.
Baldé: Wirblig, wach, was ne Sprungkraft – ohne Tor trotz Grosschance vor der Pause.
Vallci, Stevanovic, Vogt, Besio, Ouattara: Die Einwechselspieler können weder am Ausgang noch am intensitätsarmen Spiel in der zweiten Halbzeit etwas ändern.
Stimmen zum Spiel

Bilder zum Spiel
Bild: Cyriac Schnyder
Ton: Ralph Weibel
Text: Marc Baumeler




































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