Den zweiten Platz gesichert
- gruenweiss.sg
- vor 1 Tag
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Die St.Galler überzeugen auch im letzten Auswärtsspiel der Saison. Im Joggeli gewinnen sie in überzeugender Manier mit 3:1 durch Tore von Baldé, Boukhalfa und Scherrer. Herauszuheben gilt es mittlerweile die Kaderbreite, die über die letzten Wochen geschaffen wurde und nun zur Entfaltung kommt.

Das Spiel: Schon nach wenigen Minuten beschleicht einen dieses Gefühl: auch heute würde Einheit über Individualismus obsiegen. Da sind auf der einen Seite die Basler, denen anzumerken ist, dass sie den Glauben in die eigenen Fähigkeiten längst verloren haben. Sie wirken hinten jederzeit verwundbar, vorne zahm und unklar. Sie können in ihrem Tun kein konstant hohes Level halten, fallen immer wieder in Löcher. St.Gallen hingegen überzeugt mit Klarheit und struktureller Stärke. Darin kann Individualität wachsen und sich einbringen. Aber erst kommt die Basisarbeit. Stellvertretend sei Joel Ruiz erwähnt. Er beginnt auf der Schiene für den gesperrten Vandermersch und wird zur zweiten Halbzeit in die Dreierkette für Gaal gestellt. Er agiert äusserst mannschaftsdienlich, indem er Löcher stopft, für andere einsteht. Er spielt, als hätte er das schon die ganze Saison getan. Dabei war es erst sein zweiter Startelfeinsatz. St.Gallen kann derzeit alle Hürden überwinden, auswärts Lugano und Basel besiegen. Nichts scheint es gerade stoppen zu können. Wenn wir Richtung Cupfinal schauen, kann uns das positiv stimmen. Und dennoch: die mentale Hürde wird nochmals eine andere sein. Alle – auch Spieler und Verantwortliche selbst – erwarten einen Sieg. Die Mannschaft, der Verein bringt alles mit, um das zu erreichen. Dennoch sollte anerkannt werden, dass das nicht selbstverständlich ist.
Kaderbreite: Vogt, Besio, Konietzke, Ruiz, Weibel, Scherrer und in der Vorrunde May. Diese jungen St.Galler haben Tritt gefasst. Sie kommen zu Spielminuten, können dem Team helfen. Gerade jetzt, da immer wieder Arrivierte ausfallen, sind sie da und performen. Keiner fällt durch, keiner stürzt ab, keiner patzt. Das Team gewinnt mit ihnen. Das ist bemerkenswert. Möglich ist das, weil das Team gestützt wird: durch die Arrivierten. Die Görtlers, Daschners, Stanics, Boukhalfas. Sie stemmen die Verantwortung. Die Jungen dürfen, sie müssen nicht.
Skurril: Basler Fantalk zur Pause auf der Toilette des St.Jakob-Parks. A: «0:0. Immerhin. Sie waren diese Saison auch schon schlechter. Immerhin» B: «Stimmt. Ja. Wir sind im Spiel. Haben Chancen und halten bis jetzt die die Null. Das lässt hoffen.» A: «Gefährlich wirds aber jetzt. In den ersten zehn Minuten nach der Pause kriegen sie immer ein Tor.» Baldé bringt die Espen in Minute 51 in Führung.

FCB - FCSG 1:3 (0:0)
St. Jakob-Park: 29822
Tore: 51'Balde 0:1, 78'Boukhalfa 0:2, 88'Vouilloz 1:2, 89'Scherrer 1:3.
B: Hitz; Tsunemoto (81'Ruegg), Vouilloz, Daniliuc, Schmid; Metinho, Leroy (67'Salah); Duranville
(81'Rexhaj), Shaqiri (57'Koindredi), Traore; Koloto (57'Ajeti).
SG: Zigi; Gaal (46'Daschner), Kleine-Bekel, Okoroji; Ruiz, Görtler (75'Fazliji), Konietzke (84'Scherrer), Boukhalfa (84'Quintilla), Stevanovic; Vogt (61'Besio), Balde.
Ref: Lukas Fähndrich

Einzelkritik
Zigi: Mit Fingerspitzen beim Abschluss von Duranville (43’). Beim Gegentreffer chancenlos, ansonsten nicht gross gefordert.
Okoroji: In absoluter Topform. Egal, was er tut, ihm gelingt gefühlt alles. Beeindruckend.
Kleine-Bekel: Macht erneut ein ausgezeichnetes Spiel. Nach seiner Kreuzbandverletzung nimmt er Fahrt auf, wirkt beweglicher, agiler, verbessert im Kopfballspiel. Es wird deutlich, warum dieser Mann Kapitän der U21 Deutschlands war. Wäre schön, könnte man ihn auch nächste Saison im Kader haben.
Gaal: Gerät schnell auf die schiefe Bahn. Wird früh verwarnt (10’) und muss fortan aufpassen. Nach der Pause bleibt er in der Kabine.
Konietzke: Er befindet sich auf dem beschwerlichen Weg zurück in die Bedeutungszone. Dazu braucht er Spielminuten und die erhält er heute. Der grosse Moment fehlt noch, aber kleinere sind immer sichtbarer.

Stevanovic: Es gibt da ein paar Eigenschaften, die ihm möglicherweise fehlen, um ein richtig starker Schienenspieler zu sein. Dennoch stiehlt er sich nicht mal so schlecht durch die Spiele. Er braucht etwas Zeit, findet aber auch heute Zugang zur Partie. Guter Abschluss aus grösserer und eine Riesenchance aus kleiner Distanz.
Boukhalfa: Ein Mittelfeldspieler, der zwölf Meisterschaftstore schiesst und sehr viel fürs Team arbeitet, Wege abläuft, Zweikämpfe gewinnt, Dribblings wagt und schiesst. Wir verneigen uns.
Görtler: Auch in diesem Spiel sorgt seine Präsenz für grünweisse Stabilität und Sicherheit. Dazu gehören heute auch Fouls im richtigen Moment oder … Zupfer.
Ruiz: Starke Leistung! Auffallend mannschaftsdienlich, sorgt sich, stopft Löcher auf dem ganzen Platz, schnell, clever und bissig in den Zweikämpfen, ein richtig gutes Spiel – und das auf zwei verschiedenen Positionen.
Baldé: Er ist omnipräsent, absolviert ein Riesenpensum. An einer Party wäre er derjenige, der die Gläser füllt, Musik auflegt und mit guter Laune dafür sorgt, dass sich alle wohlfühlen. Zum Schluss räumt er noch auf. Wir sind gespannt, wie seine Zukunft aussieht. Zieht man die Kaufoption, die zwischen 2 und 3 Millionen Euro liegen soll? Kaufen und später teurer VER-kaufen. Warum nicht?
Vogt: Es gibt keine Szene, die in Erinnerung bleibt. Wir hoffen, dass er zumindest beim Cupfinal
nochmals zu seiner ach so geschätzten Form findet.
Daschner: War die letzten Tage krank. Kommt zur zweiten Halbzeit und verleiht dem Team zusätzliche Klasse und Sicherheit.
Besio: Ersetzt nach 61’ Vogt. Bereitet Scherrers Tor vor.
Fazliji: Ersetzt nach 75' den Captain.
Quintillà: Ersetzt nach 83’ Konietzke. Nach GC mit seinem erst zweiten Einsatz.
Scherrer: Ersetzt nach 83’ Boukhalfa. Kurz nach dem Anschlusstreffer der Basler erzielt das 18-jährige Talent sein erstes Super League – Tor! Wir gratulieren!

Stimmen zum Spiel



Bilder zum Spiel
Bild: Cyriac Schnyder
Ton: Marc Baumeler
Text: James Wehrli



































































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