Zeit für einen Heimsieg
Drei Wochen sind vergangen, seit der FC St.Gallen im St.Jakob-Park mit dem 3:1 gegen Basel eine schwierige Phase eindrücklich beendet hat. Drei Wochen zum Durchatmen, Regenerieren und Arbeiten. Am Sonntag um 16.30 Uhr geht es nun endlich weiter: Lausanne-Sport kommt zum Olma-Match ins Berit Sitterstadion. Und nach zuletzt enttäuschenden Auftritten vor eigenem Publikum ist die Aufgabe ziemlich klar: Es ist an der Zeit, wieder einmal ein Heimspiel zu gewinnen.

Ausgangslage: Vielleicht kam diese Pause genau zum richtigen Zeitpunkt. Die ersten Wochen dieser Saison waren für den FCSG intensiv. Europacup, Cup, englische Wochen, Verletzungen, eine starke Anfangsphase und anschliessend jene schwierigen Wochen, in denen sechs von sieben Pflichtspielen verloren gingen. Dann kam Basel. Und mit dem 3:1 im Joggeli dieser wichtige Beweis, dass die Mannschaft ihre Qualitäten nicht irgendwo unterwegs verloren hatte. Entsprechend wichtig war dieser Sieg auch für die drei Wochen danach. Andrin Hunziker sagt an der Medienkonferenz ziemlich treffend: «Mit einer weiteren Niederlage im Gepäck wären selbst die freien Tage kaum richtig zu geniessen gewesen. Stattdessen konnte die Negativspirale gestoppt werden.»
Die erste Phase der Pause nutzten die Espen zur Regeneration. Danach wurde wieder hart gearbeitet. Im Testspiel bekamen Rückkehrer und junge Spieler Minuten, dazu wurde an verschiedenen Schwerpunkten gefeilt. Nun kommt der Teil, der zählt: der Übertrag in den Wettkampf. Und der FCSG startet aus einer durchaus interessanten Position. Nach neun Spielen steht Grünweiss mit 13 Punkten auf Rang fünf. Lausanne dagegen ist mit sechs Punkten Tabellenletzter. Aber Tabellenplätze Mitte Oktober erzählen eben nur einen Teil der Geschichte. Zumal sich St.Gallen zu Hause zuletzt schwertat. Enno Maassen formuliert es an der Medienkonferenz selbst ziemlich trocken: Die Espen hätten in den letzten Heimspielen nicht gerade die Sterne vom Himmel gespielt. Das lässt sich ändern. Am liebsten am Sonntag. Gegner: Lausanne ist Tabellenletzter. Lausanne hat erst sieben Tore erzielt. Und Lausanne verlor die letzten beiden Meisterschaftsspiele vor der Pause zu Hause mit 0:1 gegen Servette und 0:4 gegen Lugano. Wer daraus allerdings einen gemütlichen Olma-Nachmittag ableitet, macht es sich zu einfach. Der Klub befindet sich in einem Umbau. Seit Sommer trainiert Luka Elsner die Waadtländer. Der 44-Jährige bringt viel Erfahrung mit, unter anderem aus Frankreich, Belgien und Polen, und führte Le Havre einst in die Ligue 1. Lausanne verpflichtete ihn ausdrücklich auch wegen seiner Arbeit mit jungen Spielern und seiner Fähigkeit, Mannschaften defensiv zu strukturieren. Und genau das macht diesen Gegner etwas schwer greifbar. Maassen warnt davor, die individuelle Qualität Lausannes am Tabellenplatz zu messen. Gerade offensiv verfügt das Team über talentierte Spieler und Geschwindigkeit im Umschalten. Gleichzeitig hat Elsner taktisch bereits verschiedene Varianten eingesetzt: mal Dreier-, mal Viererkette. St.Gallen muss also auf unterschiedliche Grundordnungen vorbereitet sein. Lausanne hat die lange Pause zudem genauso nutzen können wie der FCSG. Nach vielen Veränderungen im Sommer hatte Elsner nun erstmals längere Zeit, um mit seiner Mannschaft zu arbeiten. Auch deshalb wäre es gefährlich, davon auszugehen, am Sonntag einfach dieselbe Mannschaft zu sehen, die vor drei Wochen mit 0:4 gegen Lugano verlor.

Espen: Bei St.Gallen lautet eine der erfreulicheren Nachrichten: Lukas Görtler ist zurück im Mannschaftstraining. Der Captain hat praktisch die gesamte Pause genutzt, um sich heranzuarbeiten, und ist laut Maassen eine Option für Sonntag. Das täte gut. Nicht, weil der FCSG ohne ihn nicht funktionieren kann – das 3:1 in Basel hat ziemlich eindrücklich das Gegenteil gezeigt. Sondern weil Görtler dieser Mannschaft zusätzliche Präsenz, Energie und Führung gibt.
Weniger komfortabel sieht es in der Defensive aus. Chima Okoroji und Colin Kleine-Bekel fehlen. Tom Gaal ist dagegen wieder fit, Joel Ruiz von der Nationalmannschaft zurück. Dazu stehen Jozo Stanić und der junge Mustafa Haydari als Optionen bereit. Besonders Haydari ist spannend. Maassen lobt seine Entwicklung und seine konstanten Trainingsleistungen. Ob bereits am Sonntag der Moment für seinen Einsatz kommt, lässt der Trainer offen. Aber die Tatsache, dass er überhaupt so konkret genannt wird, zeigt: Der nächste junge Spieler klopft an. Entscheidend wird ohnehin weniger eine einzelne Personalie als das sein, was Hunziker über den Basel-Sieg sagt. Dort sei jeder für jeden gegangen. Jeder habe seinen Job gemacht. Genau das zeichne St.Gallen aus.
Das klingt simpel. Ist aber ziemlich genau der Punkt. Der FCSG war in seinen besten Spielen dieser Saison dann stark, wenn er als Kollektiv funktioniert hat. Gegen Lausanne dürfte zudem wieder mehr eigenes Gestalten gefragt sein als in Basel. Grünweiss wird wahrscheinlich längere Ballbesitzphasen haben und Lösungen gegen einen Gegner finden müssen, der Räume möglicherweise enger macht. Das wird eine andere Prüfung als im Joggeli. Vielleicht sogar die schwierigere. Prognose: 17'000 Tickets waren am Freitag bereits verkauft. Olma-Match. Volles Haus. Ein FCSG, der nach drei Wochen Pause wieder loslegen will. Ein Captain, der zurückkommen könnte. Und ein Gegner, der trotz Tabellenplatz nicht unterschätzt werden darf. Eigentlich ist alles angerichtet. Jetzt muss St.Gallen zeigen, dass Basel nicht nur ein schöner Schlusspunkt vor der Pause war, sondern tatsächlich ein Schritt zurück in die richtige Richtung.
Es dürfte kein Spaziergang werden. Aber Grünweiss ist zu Hause Favorit.
Und ganz grundsätzlich:
Es ist wirklich wieder einmal Zeit für einen Heimsieg.
Unser Tipp: FCSG - Lausanne-Sport 2:1.

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