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«Mehr Frequenz im gegnerischen Strafraum»

gruenweiss.sg
vor 11 Minuten
3 Min. Lesezeit

Der FC Lugano kommt am Sonntag als Leader ins Berit Sitterstadion – und wahrscheinlich als aktuell beste Mannschaft der Schweiz. Die Tessiner gewinnen beinahe alles, treffen aus fast allen Lagen und marschieren auch durch die Conference League. Der FC St.Gallen hat sich seinerseits nach schwierigen Wochen wieder stabilisiert. Nun soll der nächste Schritt folgen. Enno Maassen fordert «mehr Frequenz im gegnerischen Strafraum». Gegen Lugano wird genau das nötig sein: defensiv nahezu perfekt stehen – und vorne deutlich mutiger und konsequenter werden.



Ausgangslage: Vier der letzten fünf Spiele hat der FCSG gewonnen. Basel auswärts. Lausanne zu Hause. Rapperswil im Cup. Zuletzt Servette. Dazwischen steht die Niederlage bei YB. Die Richtung stimmt also wieder. Vor allem defensiv hat sich Grünweiss stabilisiert. Die Mannschaft wirkt kompakter und lässt deutlich weniger einfache Möglichkeiten zu als noch während der schwierigen Phase nach dem Europacup-Aus. Das war Schritt eins. Nun geht es um Schritt zwei. Denn offensiv ist weiterhin Luft nach oben. Gegen YB verteidigt St.Gallen über weite Strecken ausgezeichnet, bringt nach vorne aber lange Zeit zu wenig zustande. Gegen Servette wird es etwas besser, doch auch dort fehlt über längere Phasen die Verbindung in die Spitze. Maassen bringt es vor dem Lugano-Spiel auf einen ziemlich guten Begriff: Mehr Frequenz im gegnerischen Strafraum. Mehr Spieler dort. Mehr Bälle dort. Mehr zweite Bälle. Mehr Abschlüsse.


Der Gegner: Was Lugano derzeit macht, ist beeindruckend. Die Tessiner sind in der Meisterschaft noch ungeschlagen, führen die Tabelle an und treten inzwischen mit einem Selbstverständnis auf, das nur sehr wenige Mannschaften in der Schweiz besitzen. Und international geht es genauso weiter. Roter Stern Belgrad geschlagen. In Getafe 5:2 gewonnen. Am Donnerstag Kauno Žalgiris mit 3:0 abgefertigt. Neun Punkte aus drei Spielen in der Conference League. Vor allem wirkt dieses Lugano nicht wie eine Mannschaft, die einfach gerade einen Lauf erwischt hat. Sie ist komplett.

Maassen hebt das Kollektiv hervor, gleichzeitig aber auch die individuelle Qualität. Lugano hat seinen Stamm zusammengehalten und den Kader gezielt verstärkt. Tempo auf den Seiten, Qualität im Zentrum, unterschiedliche Stürmertypen und Spieler, die Partien auch mit einer Einzelaktion entscheiden können. Lukas Görtler nennt Anto Grgić und Uran Bislimi stellvertretend. Bislimi sei für ihn einer der besten Spieler der Liga.


Und dann ist da diese Effizienz. Lugano braucht nicht zwangsläufig zehn Chancen, um drei Tore zu erzielen. Die Tessiner treffen aus der Distanz, nach Standards, im Umschalten, aus längeren Ballbesitzphasen. Sie finden Lösungen. Genau das macht sie derzeit so schwierig zu verteidigen.

Auch auf die mögliche Müdigkeit nach der Conference League sollte man nicht zu stark hoffen. Das Spiel am Donnerstag war früh entschieden, Mattia Croci-Torti konnte Kräfte verteilen. Geschenke wird Lugano kaum mitbringen.

Die Espen: Also muss St.Gallen selbst etwas erzwingen. Natürlich beginnt alles mit der Defensive. Gegen diese Offensive braucht es Konzentration, enge Abstände und konsequente Zweikämpfe. Maassen sagt selbst, dass sich nicht alles wegverteidigen lasse. Aber genau deshalb reicht es eben auch nicht, nur gut zu verteidigen. St.Gallen muss Lugano beschäftigen. Spannend bleibt die Besetzung im Angriff. Carlo Boukhalfa funktioniert gegen Servette überraschend gut als Stürmer und erzielt ein wunderschönes Tor. Er bleibt deshalb auch gegen Lugano eine Option für ganz vorne – genauso wie natürlich für seine angestammte Rolle im Mittelfeld. Andrin Hunziker bringt Wucht und Tiefe. Aliou Baldé steckt momentan in einer schwierigeren Phase, besitzt mit seinem Tempo aber weiterhin eine Qualität, die Luganos Defensive beschäftigen kann.


Nicht zur Verfügung stehen weiterhin Diego Besio, Christian Witzig, Enoch Owusu und Behar Neziri. Letzterer hat nach seiner Knieverletzung einen kleinen Rückschlag erlitten und soll zunächst nochmals geschont werden. Der Rest ist da. Und offenbar ziemlich motiviert. Görtler bezeichnet das Duell mit dem Leader nicht als undankbare Aufgabe. Im Gegenteil. Er findet sie ziemlich cool.

Weil Lugano noch ungeschlagen ist. Weil kaum jemand selbstverständlich einen St.Galler Sieg erwartet. Und weil genau solche Spiele manchmal etwas freisetzen.

Prognose: Lugano ist Favorit. Was die Tessiner derzeit national und international zeigen, ist aussergewöhnlich. Dieses Team ist eingespielt, effizient und auf beinahe jeder Position hervorragend besetzt. Aber St.Gallen hat inzwischen wieder ein Fundament. Die Defensive steht. Das Selbstvertrauen ist zurück. Vier der letzten fünf Spiele wurden gewonnen. Und zu Hause wird das Stadion wieder voll sein. Jetzt muss vorne mehr kommen. Mehr Mut. Mehr Präzision. Mehr Konsequenz. Und eben: Mehr Frequenz im gegnerischen Strafraum. Wenn das gelingt, kann der FCSG auch diesen Gegner schlagen. Denn auch Lugano wird in dieser Saison irgendwann verlieren. Warum nicht in St.Gallen?


Unser Tipp: FCSG – Lugano 2:1.



Bild: Archiv

Text: Marc Baumeler

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