top of page
  • Instagram
  • Facebook
  • Twitter
  • Spotify
  • Apple Music

Favorit mit Auftrag

  • gruenweiss.sg
  • 5. Aug.
  • 3 Min. Lesezeit

Der FC St.Gallen reist als Favorit nach Tiraspol. Das darf man ruhig so sagen. Nach dem Aus gegen Benfica geht es in der dritten Qualifikationsrunde zur Conference League gegen Sheriff weiter — einen Gegner, den der FCSG ernst nehmen, aber sicher nicht fürchten muss. Die Personalsituation bleibt angespannt, der Rhythmus ist sehr hoch, doch die Espen haben in den ersten Saisonwochen bereits gezeigt, dass dieser Kader Antworten findet. Morgen geht es darum, auswärts eine gute Grundlage für das Rückspiel zu legen.



Die Ausgangslage: Der FC St.Gallen kommt mit Rückenwind und Warnsignalen zugleich nach Tiraspol. Rückenwind, weil der Saisonstart trotz maximaler Belastung gelungen ist. In der Liga stehen zwei Siege aus zwei Spielen. Gegen Benfica gelang zu Hause ein grossartiger Europacup-Abend. Warnsignale, weil diese ersten zwei Wochen Substanz gekostet haben. Das Kader wirkt früh in der Saison bereits strapaziert, mehrere Spieler sind angeschlagen oder fehlen, und nach dem 0:5 in Lissabon war klar: Dieser europäische Sommer wird nicht nur schön, sondern auch hart. Trotzdem ist die Ausgangslage positiv. Der FCSG ist gegen Sheriff Tiraspol nicht der Aussenseiter, der er gegen Benfica war. Diesmal muss er sich nicht an einer Sensation orientieren. Diesmal geht es darum, die eigene Qualität auf den Platz zu bringen. Sauber. Geduldig. Ernsthaft. Aber auch mit Selbstvertrauen. Das Ziel ist klar: Der FCSG will ins Playoff. Dafür braucht es in Tiraspol keine Heldentat, aber einen reifen Auftritt.


Der Gegner: Sheriff Tiraspol ist ein spezieller Klub. Sportlich ist Sheriff der erfolgreichste Verein Moldaus, international erfahren und mit einer Geschichte, die weit über die eigene Liga hinausreicht. Der Sieg gegen Real Madrid im Bernabéu 2021 gehört bis heute zu jenen Europacup-Abenden, die den Glauben nähren: Dieser Klub kann Gegner überraschen, die auf dem Papier grösser sind. Gleichzeitig ist Sheriff heute nicht mehr jene Mannschaft von damals. In der Europa-League-Qualifikation war gegen Maccabi Tel Aviv deutlich Schluss. Auch der Marktwert spricht diesmal für St.Gallen: Sheriff liegt deutlich unter dem FCSG. Die Favoritenrolle gehört also den Espen.


Sheriff ist natürlich trotzdem kein Gegner, den man im Vorbeigehen schlägt. Tiraspol ist eine spezielle Reise, das Umfeld ungewohnt, der Gegner international routiniert. Ein Fehler, ein Standard, ein hektischer Moment — und plötzlich wird ein machbares Auswärtsspiel kompliziert. Das alles kann passieren. Der FCSG muss also nicht zittern. Aber wach sein. Die Espen: Enno Maassen muss erneut balancieren. Jozo Stanić fehlt gesperrt. Lawrence Ati Zigi, Tom Gaal, Carlo Boukhalfa und andere waren zuletzt angeschlagen oder belastet. Colin Kleine-Bekel ist erst seit Kurzem wieder im Mannschaftstraining. Nach Vaduz war zudem offensichtlich: Einige Spieler laufen nahe am Limit. Das klingt schwierig, ist aber auch eine Chance für dieses Kader. Denn die letzten Spiele haben gezeigt, dass die Bank funktioniert. Schon gegen den FCZ machten die Einwechselspieler den Unterschied. In Vaduz entschied Enoch Owusu die Partie mit seinem Doppelpack. Besio brachte Wucht und Unbekümmertheit. Fazliji zeigte, dass seine Ballsicherheit guttun kann. Frokaj wirkt bereit für Verantwortung. Diese Breite ist jetzt Gold wert.


In der Defensive wird Maassen wegen Stanićs Sperre umbauen müssen. Okoroji dürfte gesetzt sein, daneben kommen Ruiz, Fazliji, Gaal — sofern fit — oder möglicherweise Kleine-Bekel infrage. Im Tor hängt vieles an Zigis Zustand. Ist er nicht bereit, wird Watkowiak wieder übernehmen. Auf den Schienen dürften Stevanovic und Vandermersch, die sich in guter Form befinden, gesetzt sein – auch wenn Owusu diesen fulminanten Auftritt im Ländle hatte. Im Zentrum bleibt Daschner wichtig. Görtler sowieso. Boukhalfa nur dann, wenn er wirklich bereit ist.


Vorne spricht vieles für Baldé und Witzig. Hunziker muss nach Vaduz genau beobachtet werden. Und Owusu wäre natürlich auch weiter vorne eine Überlegung wert, wenn Maassen seinen Lauf sofort nutzen will. Besio ist so oder so wertvoll, wenn er von der Bank kommt und nochmals Wucht in den Angriff bringen kann.


Eine mögliche Startelf: Watkowiak; Ruiz, Kleine-Bekel, Okoroji; Daschner; Vandermersch, Görtler, Frokaj, Stevanović; Witzig, Baldé.

Die Prognose: Der FC St.Gallen ist Favorit — und soll auch so auftreten. Nicht arrogant, natürlich. Aber mit der Überzeugung, dass dieser Gegner schlagbar ist und dass Grünweiss genügend Qualität hat, um auswärts eine sehr gute Ausgangslage zu schaffen. Nach Benfica geht es nicht darum, etwas zu reparieren. Nach Benfica geht es darum, den europäischen Weg weiterzugehen. Die Conference League ist kein Trostpreis. Sie ist eine realistische Chance, diesen Sommer und Herbst noch grösser zu machen.


Sheriff wird unangenehm. Sheriff wird Momente haben. Sheriff wird versuchen, aus der speziellen Umgebung und der eigenen Europacup-Erfahrung Kapital zu schlagen. Aber wenn der FCSG seine Ordnung findet, die Breite des Kaders nutzt und vorne wieder die richtige Mischung aus Tempo und Geduld auf den Platz bringt, liegt ein Auswärtssieg drin.


Wir tippen auf ein knappes 1:0 für den FC St.Gallen. Kein Feuerwerk. Aber ein Schritt Richtung Playoff.


Bild: Franz Schefer

Text: Marc Baumeler

Kommentare


kontakt aufnehmen

Auf gruenweiss.sg erfährst Du alles zum ältesten Fussballclub der Schweiz. Vor, während und nach dem Spiel sowie News und Hintergründe.

impressum          datenschutz

© 2022 gruenweiss.sg

bottom of page