Benfica kommt – und die Espen wollen das Duell offenhalten
- gruenweiss.sg
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Vorschau: FC St.Gallen 1879 – SL Benfica | Donnerstag, 23. Juli 2026, 20.00 Uhr | Berit Sitterstadion
Ausverkauftes Haus, der portugiesische Rekordmeister zu Gast und das erste Pflichtspiel seit dem Cupsieg: Der FC St.Gallen startet mit einer Aufgabe in die neue Saison, die kaum grösser sein könnte. Benfica ist der klare Favorit. Die Espen wollen dem grossen Namen aber nicht ehrfürchtig beim Spielen zusehen, sondern ihre eigenen Momente erzwingen – mit Mut, viel Laufarbeit und einer Spielidee, die an diesem Abend auch Geduld und Leidensfähigkeit braucht.

Ausgangslage: Der FC St.Gallen steigt als Schweizer Cupsieger in der zweiten Qualifikationsrunde in die UEFA Europa League ein. Das Hinspiel findet am Donnerstagabend im ausverkauften Berit Sitterstadion statt, das Rückspiel folgt am 30. Juli im Estádio da Luz. Es ist der Auftakt in eine intensive Phase: Bereits drei Tage später beginnt für die Espen gegen den FC Zürich auch die neue Meisterschaft.
Der europäische Weg ist unabhängig vom Ausgang dieses Duells noch nicht zu Ende. Setzt sich der FCSG gegen Benfica durch, wartet in der dritten Qualifikationsrunde der Sieger aus Sturm Graz gegen Heart of Midlothian. Danach müsste noch die Play-off-Runde überstanden werden, um die Ligaphase der Europa League zu erreichen. Scheitern die Espen am portugiesischen Rekordmeister, wechseln sie in die dritte Qualifikationsrunde der Conference League. Dort ginge es gegen Sheriff Tiraspol oder Maccabi Tel Aviv weiter.
Captain Lukas Görtler formuliert das Ziel für das Hinspiel entsprechend nüchtern: Ein gutes Resultat wäre eines, das für die Reise nach Lissabon noch alles offenlässt. Ein Weiterkommen über zwei Spiele wäre eine Sensation, doch genau darin liegt auch eine Chance. Der Druck liegt praktisch vollständig bei Benfica. Für St.Gallen geht es darum, aus dem Hin- und Rückspiel möglichst lange ein echtes Duell zu machen.
Für das Publikum heisst das vermutlich auch: nicht nervös werden, wenn Benfica längere Ballbesitzphasen hat. Die Mannschaft rechnet selbst damit, zeitweise leiden und mehr hinterherlaufen zu müssen als in der Super League. Umso wichtiger werden jene Phasen, in denen die Espen das Momentum auf ihre Seite ziehen können – nach Ballgewinnen, bei Standards und mit der Energie von den Rängen.
Gegner: Benfica gehört zu den grossen Adressen des europäischen Fussballs. Der Klub aus Lissabon ist portugiesischer Rekordmeister und gewann 1961 sowie 1962 den Europapokal der Landesmeister. In der vergangenen Meisterschaft blieb Benfica in allen 34 Ligaspielen ungeschlagen, wurde wegen elf Unentschieden aber nur Dritter. Genau deshalb muss eine Mannschaft, die eigentlich in die Champions League gehört, bereits im Juli in der Europa-League-Qualifikation antreten.
Im Sommer begann in Lissabon ein neues Kapitel. Marco Silva übernahm nach fünf Jahren beim FC Fulham. Ganz vollständig ist der Benfica-Kader noch nicht. Sechs Spieler des aktuellen Aufgebots waren an der Weltmeisterschaft 2026 und werden deshalb gegen St.Gallen noch nicht eingesetzt.
Ein entscheidender Vorteil ist das für Grünweiss trotzdem nicht automatisch. Enno Maassen betonte an der Medienkonferenz, dass bei Benfica auch die Stellvertreter über enorme Qualität verfügen und sich nun besonders zeigen wollen. Spieler wie António Silva, Clément Lenglet, Enzo Barrenechea, Leandro Barreiro, Jakub Kamiński, Sudakov, Rafa und Pavlidis bilden noch immer eine Elf, die auf praktisch jeder Position international erfahren ist.
Görtler macht aus der Rollenverteilung ebenfalls kein Geheimnis. Benfica sei spielstärker und werde den FCSG vermutlich zu mehr Defensivarbeit zwingen als die meisten Gegner in der heimischen Liga. Gleichzeitig erinnert der Captain an das Wesentliche: Es bleibt Fussball, elf gegen elf. Sein persönlicher Plan klingt dabei angenehm unkompliziert – dem direkten Gegenspieler möglichst auf die Nerven gehen.
Espen: Die Vorbereitung der Espen war kurz, aber die Stimmung nach dem Cupsieg naturgemäss gut. Görtler erzählte, wie die Mannschaft mit maximal positiven Gefühlen aus den Ferien zurückgekehrt sei. Den Titel möchte er nicht künstlich abhaken. Die Erinnerungen sollen vielmehr als Energiequelle dienen. Gleichzeitig weiss jeder im Team, dass der Pokal ab jetzt keine Ausrede und kein Schutzschild mehr ist: Wenn die Leistung nicht stimmt, zählt auch für den Cupsieger wieder nur die Gegenwart.
Genau darin liegt eine der spannendsten Fragen dieses Saisonstarts. In der vergangenen Spielzeit konnten die Espen häufig aus der Rolle des Unterschätzten kommen. Nun sind viele Spieler bekannter, die Erwartungen sind gestiegen und die Mannschaft ist weitgehend zusammengeblieben. Görtler sieht die grösste Herausforderung deshalb darin, das Demütige, Wilde und Hungrige zu bewahren. Benfica ist dafür ein ziemlich schonungsloser erster Test.
Taktisch kündigte Maassen Anpassungen an, ohne die eigene DNA aufzugeben. Der FCSG möchte weiterhin mutig und unangenehm gegen den Ball sein, kann einen Gegner dieser Klasse aber nicht über 90 Minuten ganz vorne anlaufen. Die Pressinghöhe soll variieren. Neben hohen Phasen wird es Momente in einem kompakteren Block geben müssen. Entscheidend sind Konzentration, solidarisches Verteidigen und Effizienz: Die Chancen, die St.Gallen bekommt, werden vermutlich nicht zahlreich sein.
Personell gibt es keine Sperren, dafür einige Ausfälle. Nevio Scherrer, Colin Kleine-Bekel, Cyrill May, Stephan Ambrosius und Nino Weibel stehen verletzungsbedingt nicht zur Verfügung. Malamine Efekele und Behar Neziri befinden sich im Aufbautraining. Prognose: Benfica bleibt trotz der WM-Absenzen und des Trainerwechsels der klare Favorit. Die individuelle Qualität ist höher, und über zwei Spiele spricht sehr viel für die Portugiesen. Im Hinspiel dürfte der FCSG aber von der ausverkauften Kulisse, der eingespielten Mannschaft und dem Schwung aus dem Cupsieg profitieren. Gelingt es den Espen, geduldig zu verteidigen und ihre Umschaltmomente konsequent auszuspielen, ist ein Resultat möglich, das die Reise nach Lissabon mehr als nur zu einem Teamausflug macht.
Unser Tipp: 1:1

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