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Zigi hält Europa fest

  • gruenweiss.sg
  • 10. Mai
  • 4 Min. Lesezeit

Der FC St.Gallen gewinnt auswärts beim FC Lugano mit 2:1 und zeigt dabei grosse Moral. Die Espen drehen einen Rückstand, überstehen mehrere Rückschläge und sichern sich dank eines gehaltenen Penaltys von Zigi in der Nachspielzeit das europäische Geschäft.

Aufreger: Es läuft die Nachspielzeit, Lugano erhält einen umstrittenen Penalty – und plötzlich droht dem FCSG doch noch der Sieg zu entgleiten. Alioski tritt an. Zigi ahnt die Ecke, taucht ab und hält. Es ist die Szene des Spiels und jene, die St.Gallen Europa sichert. Dabei ist dieser Sieg weit mehr als nur ein gehaltener Penalty. Der FCSG dreht die Partie nach einem Rückstand – trotz Verletzungen von Weibel und Stanic.


Rückschläge, Reaktion, Comeback: Die St.Galler spielen in Lugano zunächst richtig stark. Die Espen drücken den Gegner in der ersten halben Stunde immer wieder tief in die eigene Hälfte, gewinnen viele zweite Bälle und erarbeiten sich mehrere gute Möglichkeiten. Grünweiss wirkt präsent, aktiv und kontrolliert die Partie weitgehend. Der Bruch folgt mit der Verletzung von Weibel nach rund einer halben Stunde. Danach verliert St.Gallen plötzlich etwas die Ordnung. Lugano kommt besser ins Spiel, wird gefährlicher und erspielt sich mehrere gute Chancen. Und die Probleme werden grösser: Stanic bleibt nach einem Stollen auf dem Knie in der Kabine. Kurz nach der Pause fällt das 1:0 durch Mahmoud nach einem Angriff über die rechte St.Galler Seite. Dass die Espen nochmal zurückkommen und gegen dieses Lugano gar die Wende herbeiführen, glauben nach rund einer Stunde Spielzeit nicht mehr viele. Das Team von Enno Massen zeigt aber Charakter! Chapeau!


Europa praktisch fix: Dieser Sieg ist wichtig – sehr wichtig. Weil Lugano und Sion noch direkt aufeinandertreffen, ist Europa für den FCSG quasi gesichert. Die Espen machen damit eine insgesamt starke Saison schon mal klar – und zeigen in Lugano vor allem eines: Mentalität. Sie werden auf Platz zwei oder drei landen. Danach ist Cupfinal! Die Vorfreude steigt und steigt.


Schiedsrichter: Alessandro Dudic sorgt im zweitletzten Spiel, das im Cornaredo ausgetragen wird, mehrfach für Diskussionen. Die Szene vor dem Penalty für den FCSG lässt sich mit VAR-Unterstützung durchaus vertreten – der Ball fliegt aufs Tor und springt Delcroix an die Hand. Ein Elfmeter, der alle Fussballfans nervt, aber einer der nach aktueller Regelauslegung meist gegeben wird. Anders die Szene tief in der Nachspielzeit. Dudic zeigt erneut auf den Punkt – diesmal für Lugano. Dem voraus geht allerdings ein wilder Zweikampf zwischen Papadopoulos und Daschner, bei dem genauso gut zuerst ein Offensivfoul hätte gepfiffen werden können. Zigi ists egal!



Lugano - FCSG 1:2 (0:0)

Cornaredo: 3'828 Fans


Tore: 53' Mahmoud 1:0, 69' Stevanovic 1:1, 74' Görtler (P) 1:2.


LUG: Von Ballmoos; Papadopoulos, Mai (78' Bottani), Delcroix; Zanotti, Bislimi, Grgic (86' Pihlström), Cimignani (69' Alioski); Mahmoud (78' Mahou), Steffen, Behrens (69' Koutsias).


SG: Zigi; Kleine-Bekel, Stanic (46' Ruiz), Okoroji; Vandermersch, Görtler, Daschner (90' Fazliji), Boukhalfa, Weibel (32' Besio); Vogt (46' Stevanovic), Baldé (84' Scherrer).


REF: Alessandro Dudic

VAR: Lukas Fähndrich



Einzelkritik


Zigi: Im 250. Pflichtspiel für die Espen wird er zusammen mit Lukas Görtler zum Mann des Spiels. Der gehaltene Penalty in der Nachspielzeit ist pure Ekstase. Europa festgehalten!


Kleine-Bekel: Muss nach der Pause Stanic im Zentrum ersetzen, was ihm fast noch besser liegt. Insgesamt sehr solid. Einmal verliert er als letzter Mann den Ball – da rettet ihn Zigi.


Stanic: Muss mit einer Knieprellung zur Pause raus. Cupfinal wohl nicht gefährdet. Bis dahin ordentlich.


Okoroji: Sehr souverän. Gewinnt gefühlt jeden Zweikampf, läuft vieles ab und macht mit Ball praktisch keinen Fehler. Vor dem Gegentor könnte er den Absatzpass von Steffen allenfalls besser antizipieren.


Daschner: Die gewohnte Säule im Zentrum. Zweikampfstark, präsent in der Luft, wichtig gegen den Ball. Stark.


Vandermersch: Fleissig, unauffällig und solide. Beim Gegentor allerdings nicht ohne Mitschuld.


Weibel: Bis zur Verletzung richtig stark unterwegs. Hat Zanotti gut im Griff und knüpft dort an, wo er zuletzt aufgehört hat. Dann folgt das verletzungsbedingte Aus – das Knie. Die Bilder lassen nichts Gutes ahnen. Gute Besserung.


Görtler: Überragend. Reisst das Spiel an sich, ist beim ersten Tor entscheidend beteiligt und verwandelt den Penalty zum 2:1 gleich selber. Der wichtigste Spieler auf dem Platz. Chapeau.


Boukhalfa: Deutlich besser als letzte Woche. Präsenter, aggressiver, stärker in den Zweikämpfen. Hat gute Vorwärtsaktionen. Muss das 3:1 machen – wollte wohl Zigi nicht die Show stehlen.


Vogt: Hat eine gute Szene beim Stand von 0:0. Danach gelingt ihm wenig. Wirkt eigenartig uninspiriert. Fast so, als wäre er gedanklich bereits in Hoffenheim. Die Auswechslung zur Pause nährt diesen Eindruck eher noch. So wird es schwierig mit der Torjägerkrone.


Baldé: Wieder auffällig aktiv. An fast allen gefährlichen Aktionen beteiligt, holt Freistösse heraus und arbeitet stark gegen den Ball. Heute erstaunlich oft auch tief in der eigenen Platzhälfte zu finden.


Besio: Kommt früh für Weibel. Unerschrocken. Wird kurz vor Schluss von Scherrer stark eingesetzt und scheitert an von Ballmoos.


Stevanovic: Zeigt in Halbzeit zwei seine beste Saisonleistung. Zweikampfstark, ballsicher, enorm wertvoll. Sein Tor zum 1:1 ist kein Zufall, sondern Belohnung für den mutigen Laufweg.


Ruiz: Beim Gegentor ebenfalls nicht ganz freizusprechen. Sonst aber stabil und solide bis zum Schluss.


Scherrer: Zwei starke Vorlagen in kurzer Einsatzzeit – glänzend.


Fazliji: Kommt spät noch zu ein paar Minuten.



Stimmen zum Spiel



Bild: Archiv

Ton: Marc Baumeler

Text: Marc Baumeler, James Wehrli

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