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Nirgends sind die Leuchtmasten höher

Aktualisiert: 20. Okt. 2023

Der FCSG gastiert am Sonntagnachmittag um 14:15 Uhr in Winterthur. Begegnungen auf der Schützenwiese hatten in der Neuzeit alle etwas gemeinsam: Sie waren zäh, enttäuschend und schmerzhaft. Warum es dieses Mal anders werden könnte.

Die Ausgangslage: Wenn die Spieler des FCSG nächsten Sonntag eineinhalb Stunden vor dem Spiel mit dem Bus hinter die Haupttribüne gefahren werden, können sie kurz vor dem Aussteigen schon einmal einen Blick auf den Platz werfen. Sie sitzen dann nämlich genügend hoch, um über die Banden zu sehen. Vorbei an der liebevoll improvisierten Sirupkurve, vorbei an den Verpflegungsständen. In Lausanne, in Genf, in Basel, in Zürich oder Bern – auch zuhause im Kybunpark werden die Spieler in den Stadionbauch gefahren. Diesen Bauch gibt es in Winterthur nicht – vermutlich nicht einmal einen Keller. Das Stadion macht bei der Anreise nur wenig Eindruck. Nirgends sind die Leuchtmasten höher. In grossen Stadien stehen sie auf dem Dach und sie sind kurz. In Winterthur wirkt erstmal alles zahm, harmlos, unterklassig. Auf eigenartige Weise hat sich das bei den letzten St.Galler Gastspielen auf der Schützenwiese jeweils entwickelt. Das Stadion wurde plötzlich einschüchternd, bedrohlich, angsteinflössend. Die Lage wurde misslich, die Punkteausbeute karg. Beim letzten Spiel wurde zudem von Moos nach 16 Sekunden mit Rot vom Platz gestellt. Ein Schock, von dem man sich danach nicht mehr erholte.

Der Gegner: Der FCW scheint dieses Jahr um die Champions Round zu spielen und nichts mit dem Abstiegskampf zu tun zu haben. Mit 12 Punkten nach 10 Runden ist man auf Tuchfühlung mit den oberen sechs Teams. Der Kader wurde mit Super League Erfahrung aufgepeppt: Stillhart (873), Zuffi (855), Jankewitz (740), Sidler (535) und Turkes (683) sind schnell zu tragenden Säulen mit vielen Spielminuten geworden. Zudem verfügt der FCW mit Burkart, Ltaief und Ballet über eine ziemlich knackige Sprinterfraktion mit Dribblingskills obendrauf. Dazu kommt mit Di Giusto der Überflieger schlechthin. Seine kluge, dynamische Spielweise mit bereits sieben Torbeteiligungen machen ihn zu einem Spieler, der zurzeit wohl auch dem Super League-Adel wie YB oder dem FCZ gut stünde. Die Dauerbrenner der letzten Jahre: Corbaz, Rodriguez, Arnold, Gonçalves, Buess oder Ramizi? Sie verschwinden allmählich aus den Matchtelegrammen. Die Spielweise hat sich aufgrund dieser personellen Veränderungen gewandelt. Winterthur spielt mit, will den Ball auch mal etwas länger. Zuletzt wurden allerdings zwei Niederlagen eingefahren. Jeweils 2:3 gegen Lugano und Zürich.

Die Espen: Mit welcher Referenz gehen wir nun in dieses Spiel? Nehmen wir das 4:0 gegen SLO, sehen wir eine Masse an Spielern mit toller Form, Ausstrahlung, Tatendrang, Klasse und Erfolgsgeilheit: Zigi, Vallci, Okoroji, Schmidt, Witzig, Fazliji, Toma, Möller, Stevanovic, von Moos. Schauen wir jedoch auf das letzte Auswärtsspiel in Yverdon zurück, so kommen uns grad mal das klebrige Spiel auf dem noch klebrigeren Rasen und die Verletzung von Diaby in den Sinn. Die Stimmung wird auf der Schützenwiese bestens sein. Atmosphärisches Unbehagen dürfte keines aufkommen – zumal die grünweisse Unterstützung wieder grossartig sein wird. Vielleicht dürfte es wichtig sein, beim Einfahren ins Stadion und dem ersten Blick aufs Spielfeld die richtigen Schlüsse zu ziehen. Offen ist derzeit noch, ob Görtler und Diaby wieder einsatzfähig sein werden.

Espenblogs Prognose:

Winterthur spielt diese Saison auf Augenhöhe mit. Die neue Spielweise könnte den Espen besser behagen, als das mit dicken Mauern unterlegte Überfallprinzip. Weil der FCW das Team mit der grössten Torwahrscheinlichkeit ist (21 geschossen, 23 erhalten) und die Chancen bei klarem Verstand tief sind, tippen wir auf einen 4:3 Sieg der Espen!





Text: James Wehrli

Bild: Franz Schefer

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